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Rückmeldegespräche zur Lehrevaluation führen

Das Ziel von Rückmeldegesprächen

Das Rückmeldegespräch eröffnet Ihnen die Chance, differenziertere Rückmeldungen zu den Ergebnissen ihrer Lehrevaluation zu bekommen. Ziel ist es, eine Feedbackkultur zu etablieren, in der die gemeinsame Verantwortung für das Gelingen von Lehre sichtbar und gelebt wird. Die RUB hat das Feedbackgespräch mit den Studierenden zur obligatorischen Aufgabe der Lehrenden und zum eigentlichen Zweck der studentischen Lehrveranstaltungsbewertung erklärt.

Die Vorbereitung

Für das Gespräch mit den Studierenden sollten Sie mindestens zwanzig Minuten in der Lehrveranstaltungssitzung nach der Evaluation einplanen. Überlegen Sie als sich anhand der Ergebnisse vorab, welche Aspekte Ihnen besonders wichtig sind. Begründen Sie im Plenum Ihre Auswahl. Dabei kann es helfen, wenn die zu besprechenden Ergebnisse medial dargestellt werden, zum Beispiel eine Grafik aus den Gesamtergebnissen vorliegt. Beachten Sie jedoch, wenn Sie etwas aus den Ergebnissen kopieren: Antworten aus einem offenen Frageteil müssen abgetippt werden, da sonst die Handschriften einzelner Studierender sichtbar wären und dies die aus Datenschutzgründen erforderliche Anonymität untergraben würde. Hilfreich kann es auch sein, wenn Sie den Studierenden die Feedbackregeln vergegenwärtigen, zum Beispiel durch eine Visualisierung. Die wichtigsten Regeln, an die sich die Kursteilnehmenden, aber auch die Lehrpersonen halten sollten, lauten:

  • Versuchen Sie so konkret wie möglich zu sein. Beziehen Sie sich auf eine beispielhafte Situation.
  • Versuchen Sie nicht zu verallgemeinern, bleiben Sie bei sich, um Ihre Position deutlich zu machen.
  • Überlegen Sie sich konkrete Verbesserungsvorschläge.
  • Geben Sie wenn möglich auch positives Feedback, um gelingende Verhaltensweisen zu verstärken.

Die Durchführung

Wichtig für ein Rückmeldegespräch ist, dass das Feedback, das Sie von den Studierenden erhalten möchten, im Vordergrund steht. Zugleich moderieren Sie aber auch den Austauschprozess, Sie agieren also in einer Doppelrolle. Teilen Sie den Studierenden zu Beginn mit, dass Ihnen ihre Rückmeldungen wichtig sind. Stellen Sie die ausgewählten Ergebnisse vor, und holen Sie aktiv weitere Rückmeldungen zu den angesprochenen Punkten ein. So können Sie Einschätzungen und konstruktive Vorschläge sammeln. Um eine differenziertere Rückmeldung zum Item „Der/die Dozent/in stellt hilfreiche und sinnvolle Begleitmaterialien zur Verfügung“ zu erhalten, können Sie beispielsweise fragen:

  • Welche Begleitmaterialien haben Sie als hilfreich erlebt? Warum?
  • Was hätten Sie sich darüber hinaus für Begleitmaterialien gewünscht?

Sie können die Studierenden bitten, ihre Rückmeldungen im Plenum vorzutragen. Wenn nur vereinzelnd Antworten eingebracht werden, kann in Kleingruppen diskutiert und anschließend die Ergebnisse vorgetragen werden. Möglicherweise stellt sich im Dialog mit den Kursteilnehmenden heraus, dass auch einige Studierende die Begleitmaterialien zumeist hilfreich fanden, jedoch keinen Zugang zu der von Ihnen genannten Literatur hatten (beispielsweise weil diese nur in Präsenzbeständen der Fachbibliotheken zu finden ist). Diese Information könnten Sie wiederum gezielt nutzen, um im nächsten Semester einen leichteren Zugang zur Literatur zu schaffen.

Bei offenen Rückmeldung aus Freitextfeldern, zum Beispiel „Viel zu viele und zu schwere Texte“, können Sie sich erst einmal ein Meinungsbild im Kurs verschaffen. Führen Sie eine anonyme Meinungsumfrage durch, indem Sie die Studierenden bitten, die Frage „Stimmen Sie dieser Aussage zu?“ auf einem Zettel mit „Ja oder „Nein“ zu beantworten. So bekommen Sie einen Eindruck, wie viele Studierende diese Meinung teilen. Danach kann bei Bedarf näher nachgehakt werden mit Fragen wie:

  • Gab es Texte, die Sie besonders schwierig fanden? Welche waren das?
  • Warum haben Sie diese als schwierig empfunden?
  • Gibt es auch andere Meinungen?

In (großen) Vorlesungen ist es schwieriger, sich Feedback der Studierenden einzuholen. Aber Sie können hier die Teilnehmenden bitten, die Ergebnisse einer mehrminütigen Kleingruppen-Diskussion stichpunktartig aufzuschreiben und Ihnen diese am Ende der Sitzung zu überreichen oder eine Gruppe von Freiwilligen bilden, die nach der Veranstaltung mit Ihnen die Ergebnisse diskutiert.

Der Abschluss

Schließen Sie das Rückmeldegespräch, indem Sie den Studierenden sagen, was Sie für sich mitnehmen. Dies können, müssen aber keine direkten Schlussfolgerungen sein. Auch Denkanstöße gehören dazu. Selbstverständlich bleibt es Ihnen überlassen, welche Konsequenzen Sie ziehen: Sie entscheiden, was für Sie wichtig und hilfreich ist. Reflektieren Sie: Inwiefern können und möchten Sie es in die Gestaltung Ihrer Lehrveranstaltungen einbeziehen? Gibt es Dinge, die Sie anders machen möchten und können? Kommunizieren Sie Veränderungen, die sich aus der Evaluation und dem Rückmeldegespräch ergeben, in einer der letzten Sitzungen der Lehrveranstaltung an die Studierenden. So zeigen Sie Wertschätzung gegenüber den Lernenden.

Stolpersteine im Rückmeldegespräch

Schwierig ist es, wenn Sie sensible Punkte im Rückmeldegespräch ansprechen wollen. So könnte es zum Beispiel passieren, dass Studierende auf eine Freitext-Frage im Evaluationsbogen geantwortet haben mit der Aussage: „Das Zeitmanagement ist nicht gut, wir können nie diskutieren“. Damit Sie dies nicht als persönlichen Angriff verstehen, ist es hilfreich, wenn Sie sich das Modell der Vier Seiten einer Nachricht von Friedemann Schulz von Thun vor Augen führen. Die Aussage können Sie auf vier Ebenen betrachten:

  • Sie können sich fragen, was die Rückmeldung sachlich bedeuten könnte, zum Beispiel, dass in Ihrer Lehrveranstaltung Zeit für Diskussionen fehlt.
  • Möglicherweise schauen Sie darauf, was die Studierenden mit dieser Aussage über sich selbst offenbaren, und stellen fest: Die Studieren haben Angst, nicht alles zu verstehen.
  • Oder Sie reflektieren die Beziehungsebene dieser Freitext-Antwort. Wünschen sich die Studierenden einen intensiveren Austausch untereinander und mit Ihnen als Lehrperson?
  • Vielleicht steckt auch ein Appell in der Aussage, beispielsweise „Bitte planen Sie mehr Zeit für Diskussionen ein“.

Sie sehen: Auch vermeintlich persönliche Kritik müssen Sie nicht persönlich nehmen, sondern Sie können sich für einen bewusst sachlichen Umgang mit der möglicherweise nur unglücklich formulierten Aussage entscheiden.

Was sagen Studierende?

„Mein*e Traumlehrende*r evaluiert einmal komplett zu Anfang, Mitte und Ende des Seminars. Es wird nach den gegenseitigen Erwartungen gefragt und man hat die Möglichkeit, Kritik anzubringen. Man bekommt auch deutlich gesagt, was genau erfüllt werden muss.“ (3. Mastersemester Geschichte und kath. Theologie)