FAQ

Häufig gestellte Fragen und häufig geäußerte Bedenken

„Warum Clicker kaufen? Heute haben die meisten Studierenden drahtlos-internetfähige Endgeräte. Kann man diese Geräte nicht auch als Clicker nutzen?“

Clicker durch WLAN-fähige PCs, Smartphones, Tablets etc. von Studierenden zu ersetzen, ist technisch naheliegend. Insbesondere entfällt dadurch die Notwendigkeit, die Clicker an Studierende zu verteilen. Auf der technischen Seite sollten Sie unbedingt prüfen, ob die WLAN-Kapazität des Hörsaals ausreicht, um alle studentischen Endgeräte gleichzeitig mit ausreichender Geschwindigkeit verbinden zu können.

Allerdings besitzen auch heute bei weitem nicht alle Studierenden ein geeignetes Endgerät. Wenn Peer Instruction ein zentrales Element Ihrer Lehrveranstaltung ist, können sich solche Studierenden schnell ausgegrenzt fühlen. Selbst wenn Studierende ein geeignetes Gerät besitzen, sind sie nicht unbedingt vertraut damit, die benötigte Software selbst zu installieren. Darüber hinaus können automatische Software Updates dazu führen, dass die benötigte Applikation nicht mehr funktioniert oder eine Neukonfiguration erforderlich wird. Lehrende kommen so schnell in die Situation, als Helpdesk fungieren zu müssen.

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr einer bring your own device-„Lösung“ ist die implizite Botschaft, die Lehrende damit unbeabsichtigt an Studierende senden: „Es ist für mich in Ordnung, wenn Sie Ihr Gerät in meiner Lehrveranstaltung verwenden.“ Wenn Studierende das Gerät für Peer Instruction nutzen sollen, unterliegen sie noch leichter der Verlockung, mal eben E-Mails zu lesen oder in Facebook zu schauen und sich dadurch abzulenken. Diese Herausforderung in den Griff zu bekommen, ist sehr schwer.

Alternative Votinginstrumente:

Im Vergleich dazu ist es leichter, die Herausforderungen eines anderen Clicker-Ersatzes zu meistern: Farbige Antwortkarten. Diese können Sie durch Vervielfältigung geeigneter Vorlagen leicht selbst herstellen und in der ersten Veranstaltung an Ihre Studierenden verteilen. Wenn Sie zudem zu Beginn einer jeden Lehrveranstaltung einen kleinen Stapel Ersatzkarten auslegen, können Studierende sich neue Karten holen, falls sie ihre eigene vergessen haben sollten. Die Herausforderungen der Verwendung solcher Karten bestehen darin, dass Sie die Verteilung der Antworten dann selbst ermitteln müssen und dass es zu Mitnahmeeffekten kommen kann, d.h. Studierende können sich vom Antwortverhalten der Kommilitonen beeinflussen lassen, weil sie deren Karten und damit deren Antworten sehen.

„Ist Peer Instruction nicht das gleiche wie Think-Pair-Share?“

Think-Pair-Share ist eine Methode, bei der Studierende eine gegebene Aufgabenstellung zunächst alleine bearbeiten, sich dann zu zweit sich über die Lösung austauschen und schließlich ihre Lösung einer Gruppe präsentieren. Dieses Grundgerüst kommt auch bei Peer Instruction zum Einsatz. Peer Instruction konkretisiert Think-Pair-Share durch die Verwendung von Konzeptfragen.

„Wie kommen die Clicker zu den Studierenden?

Die Mobilität von Clicker (im Gegensatz zu festinstallierten, in die Hörsaaltische integrierten Lösungen) ermöglicht den flexiblen, ortsungebundenen Einsatz. Auf der Kehrseite bedeutet dies jedoch, dass die Clicker in den Hörsaal gebracht werden müssen. In der Regel bieten Hersteller geeignete Transporttaschen an. Je nach Volumen der Clicker und Anzahl der Veranstaltungsteilnehmer kann aber auch das Tragen dieser Taschen zur Last werden.

Je nach Randbedingungen bieten sich hier verschiedene Lösungsmöglichkeiten an:

  • Wenn Clicker vor allem in einem bestimmten Hörsaal verwendet werden, können die Geräte dort in einem Schrank deponiert werden.
  • Organisation eines Bring- und Abholdienstes, z.B. durch Hilfskräfte
  • Studierende leihen Geräte zu Beginn des Semesters an einer zentralen Stelle aus und geben sie am Semesterende wieder zurück.
  • In der Regel sind Studierende schnell vom Clicker-Einsatz begeistert. Sobald die Begeisterung da ist, bitten Sie einzelne Studierende um ihre Mithilfe. Die Clicker können bspw. im Fakultätssekretariat gelagert werden und dort von diesen Studierenden abgeholt werden.

Bzgl. der Verteilung der Clicker im Hörsaal hat es sich bewährt, die Transporttaschen am Eingang aufzustellen. Die Studierenden holen sich dort jeweils ein Gerät ab und stecken es beim Verlassen der Veranstaltung wieder in die Transporttasche. Erfahrungsgemäß gehen bei diesem Prozess keine Geräte verloren – allenfalls temporär, z.B. weil eine Person das Gerät versehentlich einpackt. In solchen Fällen werden die Geräte meist in der nächsten Veranstaltung wieder zurückgegeben.

Wie Sie die Clicker an der RUB ausleihen können, erfahren Sie hier.

„Das Durchführen von Peer Instruction kostet Zeit, die dann nicht mehr für die Stoffvermittlung verfügbar ist.“

Als Faustregel können Sie davon ausgehen, dass die Durchführung eines Peer Instruction-Zyklus ca. drei bis fünf Minuten dauert. Peer Instruction-affine Lehrende lassen ihre Studierenden diesen Zyklus in einer Zeitstunde durchaus drei bis viermal durchlaufen. Allerdings ist der resultierende Zeitaufwand nur dann als Verlust zu sehen, wenn die Lehrveranstaltung ausschließlich als Ort zur Stoffvermittlung verstanden wird. Peer Instruction dagegen stellt das Lernen in den Mittelpunkt der Lehrveranstaltung. Lehrende, die Peer Instruction einsetzen, verlagern daher häufig die Stoffvermittlung ganz oder teilweise von der Lehrveranstaltung in das Selbststudium. Dazu verwenden sie entsprechend geeignete Methoden wie z.B. Flipped Classroom oder Just in Time Teaching.

„Die Diskussionsphase kostet innerhalb eines Peer Instruction-Zyklus die meiste Zeit. Kann man die Diskussionsphase nicht weglassen?“

Auf keinen Fall! Die Diskussionsphase ist eine wesentliche Unterstützung für den Lernprozess. Viele Lehrende gestehen, dass sie bestimmte Konzepte erst richtig verstanden haben, nachdem sie zum ersten Mal eine Lehrveranstaltung dazu gegeben hatten. Entsprechend ist es für Studierende hilfreich, Kommilitonen das Konzept bzw. die Anwendung des Konzeptes zu erklären. Genau dies ist ja namensgebend für Peer Instruction. Erfahrungsgemäß ist es außerdem so, dass das Weglassen der Diskussionsphase dazu führt, dass Lehrende mit der Einführung von Peer Instruction scheitern.

„Ich habe Clicker ausprobiert. Anfangs war es der Renner. Jetzt antworten nur noch wenige Studierende.“

Erfahrungsgemäß ist das auf eine oder beide der folgenden Ursachen zurückzuführen: Sie stellen kaum Konzeptfragen und/oder lassen die Studierenden nicht diskutieren. Beide Aspekte sind kritisch für den Erfolg von Peer Instruction.

„Ist Peer Instruction auf eine bestimmte Teilnehmeranzahl beschränkt?“

Nach oben gibt es keine technischen Grenzen. In der Regel können mehrere Hundert Clicker an eine Basisstation angebunden werden. Durch Verwenden mehrerer Basisstationen steigt die Anzahl anbindbarer Geräte entsprechend.

Bei kleiner Teilnehmeranzahl scheint der Einsatz von Clickern häufig nicht angebracht, weil Lehrende davon ausgehen, dass eine das Lernen fördernde Kommunikation mit wenigen Teilnehmern sehr leicht ist. Dennoch kann der Einsatz von Clickern auch bei kleinen Gruppen hilfreich sein, denn Studierende schätzen sehr, dass sie mit Hilfe von Clickern anonym antworten können.

„Ist Clicker gleich Peer Instruction?“

Viele Lehrende verwenden die beiden Begriffe synonym. Streng genommen ist Peer Instruction allerdings eine spezielle und für das Konzeptverständnis förderliche Lehrmethode, bei der Clicker zum Einsatz kommen können. Auf der anderen Seite gibt es Einsatzmöglichkeiten von Clickern, bei denen Konzeptverständnis nicht im Fokus steht.

Peer Instruction scheint besonders in den MINT-Disziplinen verbreitet zu sein. Dort gibt es immer eine richtige Antwort. Das ist in den Geisteswissenschaften in der Regel nicht der Fall. Kann man Peer Instruction dort einsetzen?

Wie in allen Wissenschaften bilden auch in den Geisteswissenschaften Konzepte den tragenden Kern. Zentral für Peer Instruction-Fragen ist nicht, ob es eine richtige oder falsche Antwort gibt, sondern dass Studierenden Gelegenheit gegeben wird, über zentrale Konzepte nachzudenken und sich darüber auszutauschen.

„Wie aufwändig ist es, Peer Instruction-Fragen zu erstellen?“

Das hängt wesentlich davon ab, wie geübt man ist. Insbesondere wenn die Formulierung von Konzeptfragen schwer fällt, können sich Lehrende aus Fragensammlungen bedienen oder sich daran orientieren. Inzwischen gibt es eine wachsende Anzahl von fachspezifischen Fragensammlungen; auch viele Publikationen zum Thema Peer Instruction geben Beispiele und Designrichtlinien.

Viele Peer Instruction-erfahrende Lehrende berichten, dass ihre besten Fragen in der Diskussionsphase des Peer Instruction-Zyklus entstanden sind. Beim Zuhören, wie ihre Studierenden diskutieren, sind sie auf bestimmte Verständnisschwierigkeiten aufmerksam geworden. Sie haben dazu aus dem Stand eine Peer Instruction-Frage kreiert, die in der Durchführung bestätigt hat, dass die Verständnisschwierigkeit charakteristisch für einen großen Teil ihrer Studierenden war.

„Ich würde mir gerne ein konkretes Bild von Peer Instruction machen. Wie kann ich das tun?“

Versuchen Sie am besten in einer Lehrveranstaltung zu hospitieren, die Peer Instruction verwendet. Live zu beobachten, wie mit dem Beginn der Diskussionsphase der Lärmpegel schlagartig anwächst und die Studierenden darauf brennen, ihre vorher gegebenen Antworten zu diskutieren, kann ein unvergessliches und motivierendes Erlebnis sein. Nebenbei stehen Sie dadurch sofort im Kontakt mit einer Kollegin oder einem Kollegen und können sich über verschiedene Aspekte von Peer Instruction austauschen, Starthilfe bekommen usw.

Wenn Sie keine Gelegenheit zur Hospitation haben, ersetzen Sie diese durch Anschauen eines Videos, das Ihnen Einblick in eine Lehrveranstaltung gibt, die Peer Instruction verwendet.

„Soll ich nach der ersten Abstimmungsrunde den Studierenden die Antwortverteilung zeigen?“

Ein potentieller Nachteil, der aus dem Zeigen der Antwortverteilung erwachsen kann, besteht in Mitnahmeeffekten. Studierende können denken: „Die Mehrheit hat Antwort C gewählt, also wird das wohl richtig sein“. Solche Studierende laufen Gefahr, von der Diskussionsphase nicht zu profitieren. Nichtzeigen der Antwortverteilung kann diese Gefahr verringern.

Insgesamt wird dieser Frage wohl mehr Bedeutung zugemessen, als sie verdient. Statt die Antwortverteilung nicht zu zeigen, um das unerwünschte Verhalten der Studierenden zu verhindern, können Sie auch die implizite Botschaft von Peer Instruction („Diskussion von und Argumentieren mit wissenschaftlichen Konzepten ist wichtig“) explizit in Ihrer Lehrveranstaltung thematisieren.