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Interviews mit Lehrenden

Interview mit Dr.-Ing. Andreas Kilzer, LS für Verfahrenstechnische Transportprozesse, Institut für Thermo- und Fluiddynamik, Fakultät Maschinenbau, Ruhr-Universität Bochum; Arbeitsschwerpunkt: Hochdruckverfahrenstechnik, Vorlesungen Wärme- und Stofftransport sowie Wärmeübertrager

Die Clicker wurden an der Fakultät Maschinenbau im Rahmen der Wahlfachvorlesung „Wärmeübertrager“ eingesetzt. Die Zahl der Hörer der Veranstaltung liegt typischerweise zwischen 20 und 30.

Warum haben Sie Clicker eingesetzt?

Die Clicker habe ich eingesetzt, weil sie meiner Meinung nach einige Vorteile gegenüber einer einfachen Abstimmung durch Handzeichen besitzen.
Vorteilhaft an Clickern finde ich, dass

  • die Beantwortung der Fragen anonym abläuft.
    Auch Studierende, die sich der richtigen Antwort nicht sicher sind, nehmen an der Abstimmung teil, anstatt sich, wie bei offener Abstimmung üblich, zu enthalten.
  • die Antworten nahezu den tatsächlichen Wissensstand widerspiegeln.
    Bei einer offenen Abstimmung orientieren sich die Studierenden in ihrer Antwort doch oft am Votum der leistungsstarken Kommiliton/inn/en. Der Dozent erhält dann fälschlicherweise den Eindruck, dass die Mehrzahl der Hörer den Stoff verstanden hat und fährt ohne Wiederholung fort.
  • der Gebrauch an „Wer wird Millionär?“ erinnert; das bringt Abwechslung und motiviert.

Wie haben Sie sich auf den Clicker-Einsatz vorbereitet und wieviel Zeit haben Sie in die Vorbereitung investiert?

Ich habe mich bei den Mitarbeitern des eTeam Maschinenbau nach der erforderlichen Software erkundigt, diese installiert und mir kurz die Bedienung derselben ebenso wie die der Clicker zeigen lassen. Dafür benötigt man, je nachdem wie tief man sich in die Software einarbeiten möchte, etwa eine ¼ bis ½ Stunde. Mit diesem Aufwand ist man auf jeden Fall in der Lage, einfache Abstimmungen mit bspw. 4 Antwortmöglichkeiten live auf den Beamer übertragen zu lassen.

Hinzu kommt allerdings, dass geeignete Fragestellungen gefunden werden müssen. Hat man solche bereits zur Hand, etwa weil man ohnehin bereits Fragen per Handzeichen abstimmen lässt, dann geht die Umsetzung natürlich schnell. Muss man jedoch erst geeignete Fragen und passende Antworten finden, dann kann der zeitliche Aufwand sehr schnell deutlich größer werden. Es ist gar nicht so einfach, den Schwierigkeitsgrad der Antworten zwischen offensichtlich und viel zu schwer einzuschätzen.

Gab es Hürden in der Umsetzung?

Die größte Hürde war es, Stellen in der Vorlesung zu finden, die sich für eine Befragung mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten eignen.

Eine zweite Hürde betrifft große Vorlesungen. Bei dem von mir verwendeten Modell der Clicker muss zu gegebener Zeit geprüft werden, ob die Batterien bereits entleert sind. Dazu müssen alle Geräte einmal kurz eingeschalten werden – was bei 100 Stück geraume Zeit beansprucht.

Wie wurde der Einsatz finanziert?

Die Clicker wurden mir über das Team ELLI (Projekt: „Exzellentes Lehren und Lernen in den Ingenieurwissenschaften“, http://www.ruhr-uni-bochum.de/elli; LS FVT) der Fakultät für Maschinenbau zur Verfügung gestellt.

Wie ist ihr erster Einsatz verlaufen? Wie war das Feedback der Studierenden?

Ich empfand den Einsatz als gelungen, die Studierenden haben motiviert „gevotet“ – der Einsatz von Clickern wirkt einfach unterrichtsauflockernd.

Welche Tipps würden Sie anderen Lehrenden geben, die Clicker einsetzen möchten?

Neben der einfachen Abstimmung mit der Erklärung der richtigen Lösung kann man auch sehr gut die Methode „Peer Instruction“ anwenden, die unter dem angegebenen Link ausführlich beschrieben ist.

Interview mit Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp, Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Methoden, Universität Hamburg, Fachbereich Sozialwissenschaften

Professor Schnapp, Sie setzen Clicker in der Lehre ein. Könnten Sie beschreiben, wie das System funktioniert?

Das System besteht aus kleinen Sendern, die einer Fernbedienung ähneln, einem Empfänger, der per USB-Anschluss an den Laptop des Lehrenden angeschlossen wird und einer Software, die auf dem Rechner die Daten auswertet und zur Anzeige bringt. Das System ist schnell installiert und binnen weniger Minuten einsatzfähig. Einen typischen Bildschirm mit Fragen und Auswertung zeigt Abbildung 1.

Abbildung 1: Musterbildschirm mit Frage und Auswertung des Antwortverhaltens

Wie empfinden Sie die Vorlesung, wenn Sie Clicker einsetzen?

Die Clickerfragen emotionalisieren den Lernprozess immer wieder augenfällig. Man sieht Studierende, die durch Gesten Freude ausdrücken, wenn eine Frage richtig beantwortet wurde, oder aber Ärger, wenn es danebenging. Diese Emotionalisierung ist im Sinne eines längerfristigen Behaltens der vermittelten Inhalte in hohem Maße willkommen, tragen doch Emotionen bekanntermaßen dazu bei, dass Inhalte fester im Gehirn verankert werden. Ich kann wiederum feststellen, wie erfolgreich ich mit meinen Erläuterungen gewesen bin, ob Vertiefungsbedarf besteht, ob eine Materie nochmals anders dargestellt werden muss oder ob das nächste Thema begonnen werden kann.

Ebenfalls hilfreich finde ich die Erhebung des Vorverständnisses der Studierenden. Das gibt mir wertvolle Hinweise darauf, auf welchem Kenntnis- und Verständnisstand die Studierenden abzuholen sind. Bei den Studierenden trägt es, besonders wenn man die Methode der Peer-Instruction nutzt, zu einer noch aktiveren Auseinandersetzung mit dem Gegenstand bei.

Könnten Sie erläutern, was bei der Fragenformulierung zu beachten ist?

Generell muss man gute Multiple-Choice-Antworten formulieren, die weder zu eindeutig auf das richtige Ergebnis zeigen, noch so schwierig sind, dass sie vor allem Frustrationserlebnisse erzeugen. Für die Formulierung der Fragen gelten die üblichen Regeln für das Gestalten von Multiple-Choice-Fragen, wie man sie auf diversen Webseiten findet. Diese Regeln können das kreative Nachdenken über den eigenen Stoff und das Umsetzen der Inhalte aber nicht ersetzen, sie schützen nur vor typischen Fehlern und geben hier und da Anregungen für ein sinnvolles und weniger sinnvolles Vorgehen. Die gute Frage zur eigenen Vorlesung fällt dann leider meist nicht vom Himmel, sondern bedarf des längeren und regelmäßigen Nachdenkens. Manchmal allerdings beschert einem auch der Weg über den Campus eine gute Idee.

Fragen dürfen nicht zu leicht sein. Sie sollten idealerweise zum Nachdenken oder sogar zu einer kurzen Diskussion mit dem Nachbarn oder der Nachbarin anregen. Einfache Wissensfragen eignen sich in der Regel nicht. Das Ergebnis der Abfrage einer gerade vorgetragenen Definition ist weder für die Studierenden noch für die Lehrenden sehr informativ. Gut sind Fragen, bei denen das gerade vermittelte Wissen einer ersten Anwendung unterzogen werden kann (siehe die Beispielfrage in Box 1).

Box 1: Beispielfrage

Die Finanzbehörde der Freien und Hansestadt möchte bei Ihnen eine Umfrage unter Hamburger Bürgerinnen und Bürgern zur Zufriedenheit mit der Verwaltung durchführen lassen. Aus Kostengründen schlägt die Behörde vor, schriftliche Fragebögen an die Haushalte zu verschicken. Wie reagieren sie?

  1. Ich stimme dem Vorschlag zu, schriftliche Befragungen sind wirklich kostengünstig.
  2. Ich stimme dem Vorschlag nicht zu, weil es bei schriftlichen Befragungen große Probleme gibt, tatsächlich einen repräsentativen Bevölkerungsschnitt zu erreichen. Alternativ würde ich eine Telefonumfrage vorschlagen.
  3. Ich lehne den Vorschlag ab, und schlage stattdessen eine Onlinebefragung vor, denn diese ist noch kostengünstiger, erreicht mehr Personen und liefert sofort analysefertige Daten.
  4. Ich stimme dem Vorschlag zu. Allerdings würde ich die Fragebögen nicht verschicken, sondern mit frankierten Rückumschlägen versehen an die Personen verteilen, die in einem bestimmten Zeitraum bei einer Verwaltungsstelle vorstellig werden.

(Antwort zwei ist die richtige Antwort.)

Es kann gelegentlich auch sinnvoll sein, Fragen zu stellen, auf die es keine eindeutige Antwort gibt. Die Frage und Antwortalternativen formuliere ich dann so, dass bereits in der Diskussion deutlich werden kann, dass es eher um das Abwägen von Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Varianten geht, als um das Finden der „richtigen“ Lösung. Dann muss ich die Frage in geeigneter Weise auflösen: Ich muss Alternativen abwägen, Vor- und Nachteile benennen und gegebenenfalls begründen, warum ich mich für welche Lösung entscheide. Bei dieser Variante der Clickernutzung fehlt für die Studierenden zwar das „Glückserlebnis“, die richtige Antwortkategorie gefunden zu haben; ein bleibender Lerneffekt stellt sich durch die intensive Diskussion gleichwohl ein.

Wie viel Zeit nimmt die Vorbereitung der Fragen in Anspruch?

Für die Vorbereitung von 6-8 Clickerfragen für eine Vorlesung benötigt man zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Letzteres ist aber nur dann der Fall, wenn noch gar keine geeigneten Fragen zu einem Thema vorliegen oder aber aufwändigere Grafiken für die Fragen zu erstellen sind. Kann man auf einen Fundus geeigneter Multiple-Choice-Fragen zurückgreifen, so reduziert sich die Vorbereitungszeit auf wenige Minuten. Man braucht dann gerade so viel Zeit, wie es kostet, die Fragen in einem geeigneten Grafik- oder Präsentationsprogramm umzusetzen.

Wie reagieren die Studierenden auf den Clicker-Einsatz?

Sind die Studierenden mit Hörsaalabstimmungssystemen noch nicht vertraut, sollte man sie zunächst mit wenigen einfachen Fragen eingewöhnen. Ich beginne in der Regel in der ersten Sitzung eines neuen Jahrgangs mit Fragen, die sich etwa auf den Semesterstatus oder das Studienfach beziehen. So kann der Umgang mit den Geräten eingeübt werden, ohne dass gleich auch Inhalte zu bedenken sind.

Der Einsatz der Clicker wird von über 90 Prozent der Studierenden begrüßt. Dabei erfahren sowohl der Aspekt der Abwechslung wie auch die Verbesserung des Lernergebnisses positive Wertungen. Die meisten Studierenden fühlen sich durch die Clicker angeregt, verstärkt über den vermittelten Stoff nachzudenken. Negative Äußerungen gibt es dagegen kaum. Einige wenige Studierende geben an, die Unterbrechung des Vorlesungsablaufs durch die Clickerfragen als störend zu empfinden. Einzelne Studierende empfinden die Clicker als trivialisierend und stimmen der Aussage zu, dass die Clicker der Vorlesung zu sehr den Charakter einer Quizshow verleihen. Einige verbale Äußerungen der Studierenden zu den Clickern sind in Box 2 wiedergegeben.

Box 2: O-Töne der Studierenden zur Bewertung der Clicker:

Studierender 1:

„Ich find das ganz in Ordnung. Ist mal was anderes. Mich erfreut die aktive Teilnahme, die man da machen kann.“

Studierender 2:

„Ich find das auch gut, weil man dann untereinander abspricht. Und dann in der Vorlesung mit seinen Kommilitonen die Frage noch mal bespricht und dadurch auch deutlicher wird, was er gemeint hat.“

Studierender 3:

„Man wacht auf jeden Fall auf, wenn auf einmal so ne Frage kommt, und man die beantworten soll. Dann ist auf einmal: Oh, ok. Ich hab nicht so richtig zugehört. Was könnte das denn jetzt heißen?“

Könnten Sie abschließend noch darstellen, wie der Clicker-Einsatz bei Ihnen an der Universität organisiert ist?

Wir verfügen über 730 Fernbedienungen, mehrere Empfänger und drei spezielle Rollkoffer, die zusammen ca. 20.000 Euro gekostet haben. Die Technik wird von mehreren Lehrenden genutzt. Die benötigten Softwares können kostenlos von der Webseite des Anbieters heruntergeladen werden. Die Fernbedienungen, die auf Radiofrequenzen arbeiten, werden von uns zu Beginn einer jeden Vorlesung verteilt und am Ende wieder eingesammelt. Bislang hat sich dieses System als tragfähig erwiesen. Der Verlust an Fernbedienungen ist minimal.

Gepflegt und verwaltet wird die Technik vom E-Learning-Büro der Fakultät. Die Auslagerung der Administration aus den Professuren bietet sich an, wenn das System von unterschiedlichen Lehrenden parallel genutzt werden soll.