Drehplanung und -durchführung

Wie erstellt man eine praktikable Planung, um den Film umzusetzen? Welche Schritte sollten hierbei beachtet werden?

Zunächst sollte die didaktische Zielsetzung des Legetechnik-Lehrfilmes reflektiert und formuliert werden (Ziele und Funktionen des Films). Insbesondere der didaktischen Reduktion des Themas auf wesentliche Aspekte sollten Sie hierbei besondere Beachtung schenken.

Drehplan und Storyboard

Um die Filmerstellung, den sogenannten „Dreh“, vorzubereiten, empfiehlt es sich, eine tabellarische Drehplanung vorzunehmen und zusätzlich ein Storyboard zu skizzieren.

Der Drehplan

… enthält die einzelnen Szenen des Filmes, deren Inhalte, Ausgestaltungselemente, Texte etc., Sie können darin alle Ideen eintragen und ersehen die jeweiligen Abläufe. Der Drehplan fungiert während der Filmerstellung als wichtige Übersicht zu allen Aktivitäten, wie beispielsweise Lege-Bewegungen, Ablauf der einzelnen Lege-Elemente, Textpassagen.

Das Storyboard

… stellt eine wichtige Ergänzung zum Drehplan dar, es beinhaltet Skizzen zum Aufbau des Bildausschnittes in den jeweiligen Szenen. Hieran orientieren Sie sich während der Filmerstellung, während Sie die Lege-Elemente legen, da deren jeweilig eingeplante Struktur und der Ablauf der „Lege-Choreographie“ darin enthalten ist.

Textpassagen

Die zu sprechenden Textpassagen sollten Sie so kurz und prägnant, wie nur möglich, formulieren. Entweder lernen Sie sie auswendig, was aufwändiger ist oder Sie sprechen sie frei. Beim freien Sprechen empfiehlt es sich, den Text nur stichpunktartig zu notieren, sodass Sie dann frei und authentisch formulieren können, während Sie die entsprechenden Elemente in den Bildausschnitt legen.

Es besteht auch die Möglichkeit, die Texte nach der Filmerstellung als Audiospur einzusprechen und dann in die Filmdatei zu integrieren (Nachvertonung). Qualitativ bietet diese Variante den Vorteil, dass Sie sich besser auf den Text konzentrieren können. Sie ist allerdings mit erheblichem Mehraufwand verbunden, da die Verknüpfung von Bild und Ton über ein Videobearbeitungsprogramm erfolgen muss. Alternativ können Sie aber auch ein Screenvideo-Programm nutzen, was sich etwas einfacher in der Handhabung gestaltet: Der Film läuft auf dem PC-Screen während man selbst zeitgleich über ein Headset die Textpassagen einspricht, während das Screenvideo-Programm im Hintergrund das Screenbild des Filmes sowie die Audio-Impulse zu einer Filmdatei zusammenfügt. Allerdings ist die Auflösungsqualität des Videos nicht sehr hoch, da das Screen-Bild durch das Screenvideo-Programm abgefilmt wird.

Zeitplanung

Hinsichtlich des Zeitaufwandes zur Filmerstellung inklusive Vorbereitung der Elemente, Aufbau des Drehortes, dem eigentlichen Dreh und ggf. nachfolgender Ton-/Videobearbeitung besteht hohe Variabilität. Je nach Perfektionsanspruch, Aufwand, Szenenanzahl, Anzahl der Lege- und Real-Elemente sowie Länge der Textpassagen gestaltet sich die Zeitplanung eines Legetechnik-Lehrfilmes sehr unterschiedlich.

Die folgende Abbildung skizziert schematisch den Zeitaufwand für einen sehr einfach gehaltenen, nicht auf Perfektionismus fokussierten und sehr schnell umgesetzten, fünfminütigen Legetechnik-Lehrfilm zum Thema „Parallelen der Begriffsentwicklung in der französischen und spanischen Sprache“, der im Rahmen eines Workshops innerhalb von zwei Stunden entstand.

Abbildung 10: Zeitaufwand – Screenshot aus Lehrfilm (siehe Literaturangabe)

 

Hier ein paar Tipps, die aus der Erfahrung mit Legetechnik und der Umsetzung von Lehrfilmen resultieren:

  • Form follows function
    Es sollte immer ein möglichst kurzer Film werden, der alles Wichtige enthält und Wissen in einem logischen Aufbau und in sich geschlossen präsentiert sowie zur Reflexion/Diskussion anregt.
  • Sechs Minuten Aufmerksamkeit
    Die Aufmerksamkeitsspanne beträgt 6 Minuten, also sollte der Film auch nicht viel länger sein.
  • Weniger ist mehr
    Bei der Lehrfilmgestaltung sollte keine Effekthascherei im Vordergrund stehen, sondern klare Wissensvermittlung. Sonst lenken die Effekte vom Inhalt ab. Allerdings sollten Sie ruhig Akzentuierungen vornehmen, wenn es um besonders wichtige Aspekte geht, z. B. indem ein „am seidenen Faden“ befestigtes Ausrufezeichen scheinbar allein ins Bild schwebt. Weniger ist bekanntlich mehr.
  • Ideensicherung
    Nutzen Sie ein Notizbuch für die Projekte Ihrer Legetechnik-Lehrfilme, in dem Sie Ihre Drehplanung, die Storyboards, Texte und Ideen eintragen und so sichern. Auf diese Weise geht Ihnen keine Ihrer auftretenden Ideen verloren. Denn meist lassen sich nicht alle Ideen in einem Film unterbringen, aber vielleicht schon im nächsten oder übernächsten …
  • Storytelling
    Eine Geschichte, in der das Themenwissen nett verpackt wird, lässt sich von den Lernenden/Studierenden besser merken. Diese kann auch auf der Metapher/dem Symbol zum Thema basierend konstruieren.
  • Interaktion fordern und fördern
    Die Interaktion der Lerngruppe können Sie gezielt mit Aufgaben zur Rezeption des Filmes fordern und fördern. Interaktion sichert die im Film dargebotenen Wissensressourcen durch Eigenengagement der Lerngruppe. Ggf. kann hierzu mit eigens entwickeltem Lege-Element (z. B. mittels einer Figur, die im Filmgeschehen zur Reflexion/Diskussion ermuntert, Frage stellt o. Ä.) zur Interaktion motiviert werden.
  • Legetechnik-Filmerstellung als studentische Aufgabe
    Legetechnik-Filme als Aufgabe von den Studierenden erstellen zu lassen, ist sehr lohnend, da das über das Filmformat zu vermittelnde Wissen durch die Studierenden erarbeitet, dann reduziert und anschließend zielgruppenadäquat dargestellt werden muss. Zudem verfügen Sie anschließend über einen Fundus an Legetechnik-Lehrfilmen, die von Studierenden für Studierende produziert wurden und die Sie nach Einholung der Nutzungserlaubnis weiterhin für Lehrzwecke verwenden können.
  • Lernportale und Selbststudium
    Legetechnik-Lehrfilme bieten sich dazu an, in Lernportale hochgeladen zu werden und den Studierenden dort in kompletten didaktischen Szenarios mit Tests, Foren, Aufgaben und weiterführenden Materialien präsentiert zu werden. Es ist möglich, die Lerngruppe gezielt über den Legetechnik-Lehrfilm und das Lernportal zum Selbststudium zu motivieren.
  • Neue Wege der Wissensvermittlung
    Nutzen Sie Projekte Ihrer Legetechnik-Lehrfilme, um neue Wege der Wissensvermittlung zu beschreiten und auszuprobieren. Sammeln Sie Erfahrungen und entwickeln Sie verrückte Ideen für die Filmgestaltung (z B. über die Design Thinking-Methode, siehe unter Literatur). Ihre Lerngruppe wird die Freude, mit der Sie sich kreativ mit dem ggf. trockenen Thema auseinandergesetzt haben, spüren und dem Lehrfilm begeistert folgen.
Abbildung 11: Good ideas – Screenshot aus Lehrfilm (siehe Literaturangabe)