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Mit Videos und Digital Storytelling für das eigene Studienfach begeistern

Ein interdisziplinäres Lehr-Lernprojekt

Im hier vorgestellten Lehr-Lernkonzept steht die studentische Produktion von Kurzvideos als digitale Medien im Vordergrund. Im Rahmen eines Seminars produzieren Studierende eigene drei- bis fünfminütige Videos über ihre eigene Studienfachwahl und reflektieren den Produktionsprozess als neue, digitale Form der Wissenschaftskommunikation. Das Projekt wurde im Sommersemester 2020 mit zunächst 20 Bachelor-Studierenden im Optionalbereich der Ruhr-Universität Bochum (RUB) realisiert, aufgrund von Covid-19 als rein digitales Format und mit der Plattform Moodle. Der Moodle-Kurs wird in Teilen als OER über OpenRUB zur Verfügung gestellt. 16 Studierende schlossen den Kurs mit einem Video und einer abschließenden Reflexion ab.  
Das Seminar wurde in der Zusammenarbeit mit dem Bereich eLearning des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik konzipiert und durchgeführt.

Zielsetzung und didaktische Idee

Lehr- und Lernziele des Projektkurses waren die Produktion eines eigenen Videos über die Studienfachwahl und darüber die Aneignung von Videotechnologien als digitale Medien- und Informationskompetenz (1), die Auseinandersetzung und Reflexion mit der eigenen Studienwahl (2) sowie die Reflexion des Produktionsprozesses als neue, digitale Form der Wissenschaftskommunikation und dabei insbesondere der Aufbereitung von biografischem Wissen im Videoformat als Übersetzungsprozess/ Wissenstransfer (3).

Im ersten Teil des Seminars entwickelten die Studierenden anhand eines Leitfadens (vgl. offener Moodlekurs) Schritt für Schritt eine Ideenskizze zum Video, in der die Geschichte und Zielsetzung zum Video entwickelt wurden, sowie ein Storyboard, in der die graphische und technische Umsetzung dargestellt wurde. Verschiedene Möglichkeiten der Gestaltung von Videos, Schnittprogrammen und Formen der Lizenzierung wurden in einem mit dem Projekt e-Team Digitalisierung konzipierten und durchgeführten Workshop vorgestellt.  Im zweiten Teil des Seminars produzierten die Studierenden ihr eigenes Video, welches in einer gemeinsamen Abschlusssitzung vorgestellt wurde. Die Studierenden konnten im Rahmen des Seminars fünf Leistungspunkte erwerben.  

Ziel des Einsatzes von Moodle war es, dass die Studierenden flexibel auf digital aufbereitete Lehrinhalte zurückgreifen und sich Feedback geben können. Zu jeder Sitzung gab es (Schreib-)-Aufgaben, wie die Erstellung eines Skripts, Storyboards oder einer Videoversion, die Vergabe von Peer-Feedback oder Reflexionsaufgaben zur eigenen Studienwahl sowie zum Produktionsprozess des Videos. Anhand eines Fortschrittsbalkens in Moodle konnten die Studierenden sehen, wann die nächsten Abgaben anstehen und wie weit sie im Lern- und Produktionsprozess schon vorangeschritten sind. Online wurde das Lernen durch Lernvideos und Tutorials des e-Team Digitalisierung zur Erstellung eines Skripts, Storyboards und zur Videoproduktion unterstützt.

Ablauf des Seminars. Quelle: eigene Darstellung

Letztendlich lässt sich das Seminar als rein digitales Format oder auch als Blended-Learning-Format im Wechselspiel aus Präsenzsitzungen und Online-Instruktionen beispielsweise in Moodle durchführen. Zu welchem Thema Sie im Rahmen Ihres Seminars Videos erstellen wollen lassen, ist Ihnen als Lehrperson überlassen. Da es sich hier um ein interdisziplinäres Format handelte, habe ich den eigenen Studiengang als gemeinsamen Bezugspunkt des Lernens gewählt. Die Präsentation des eigenen Studienfachs stellt dabei eine niedrigschwellige Form der Wissenschaftskommunikation dar. Da die Studierenden ihr Video alle zum gleichen Thema drehten, konnte ich die Reflexion der eigenen Studienwahl sowie des Produktionsprozesses als Lernziele auswählen. Durch die Interdisziplinarität und die eingebauten Reflexionsleistungen können die Studierenden schon im Bachelor beginnen, sich über ihre Fachdisziplinen hinaus auszutauschen und sich mit den Besonderheiten ihres eigenen Fachs und der Spezifika anderer Fächer vertraut machen. Zugleich wurde den Studierenden im Rahmen des Seminars bewusst, dass sie mit ähnlichen Fallstricken wie Vorurteilen gegenüber dem eigenen Studiengang von Anderen oder unklare Berufsperspektiven in ihrer biografischen Entwicklung zu kämpfen haben. Dies wirkte bei den Studierenden sehr verbindend und sehr stärkend. Wenn Sie die Reflexion nicht als Lernziel setzen und das Seminar im Rahmen Ihres Faches anbieten wollen, bieten sich ein anderer Themeneinstieg und die Wahl anderer Prüfungsleistungen an. Wie sehr Sie den Produktionsprozess gemeinsam mit den Studierenden gestalten wollen und sich auch für eine gemeinsame Gestaltungsweise entscheiden und z.B. die gleichen Schnitt-Programme nutzen wollen, ist Ihnen überlassen und hängt sicherlich auch von den Möglichkeiten des Lehr-Lern-Settings ab. Im Folgenden möchte ich kurz den Aufbau des Seminars beschreiben, um exemplarisch Einblick zu geben.