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Potenziale und Herausforderungen

In der Abschlusssitzung stellte sich nochmal heraus, dass die Veranstaltung für die Studierenden einen großen Mehrwert darstellte, da viele in ihrem Studiengang den Praxisbezug vermissen. Einige Studierende studieren Medienwissenschaft und hatten dennoch bisher wenig Erfahrung mit dem Erstellen von Videos sammeln können. Viele der Studierenden sagten, dass sie sonst wenig Projektbezug haben. Zudem nannten viele Studierende eine Faszination für Bewegtbilder als Motiv zum Besuch der Veranstaltung.

Die Studierenden berichteten, viel in der Veranstaltung über sich selbst gelernt zu haben (Selbstreflexion). Viele erzählten, dass sie mit Perfektionsansprüchen bei der Videoerstellung „zu kämpfen“ gehabt hätten und lernen mussten, „auch mal fünfe gerade sein zu lassen“. Im Austausch mit anderen Studierenden und insbesondere beim Peer-Feedback sei es wichtig gewesen, die eigene Position finden, wenn das Peer-Feedback unterschiedlich ausgefallen sei. Besonders am Seminar war, dass sich die Studierenden mit ihren Geschichten geöffnet haben. Viele sagten, dass die Reflexion für das Studium generell hilfreich war. Das war in den Lernzielen so intendiert. Bei vielen Studierenden scheint es die Studienwahl bestätigt zu haben. Andere erzählten, dass sie herausgefunden haben, wie sie ihr Studium in der Zukunft ausrichten möchten.

Bei der didaktischen Realisierung stellte Moodle ein großes Potential dar, da die Studierenden dort ihren Fortschritt sehen und sich über anstehende Aufgaben informieren konnten. Auch Tools wie das Peer-Feedback und die Nutzung des Forums für Schreibaufgaben haben sehr gut funktioniert.

In der Ausgestaltung der Lehre ist dabei insbesondere bei diesem Seminarthema der persönliche Inhalt der Videos herausfordernd. So habe ich die Studierenden in die Frage, inwiefern die Videos veröffentlicht werden sollen, mit einbezogen. Unabhängig von der Veröffentlichung muss im Rahmen des Seminars eine persönliche, vertraute Atmosphäre geschaffen werden, die die Öffnung der Studierenden begleitetet. Insbesondere als rein digitales Format ist solch eine Öffnung, ohne ein persönliches Kennenlernen, herausfordernd herzustellen. Im hier vorgestellten Format gelang dies mitunter gut, da ich mich als Lehrende selbst mit meiner Biografie und Erfahrungen zeigte und die Studierenden große Lust am Experimentieren hatten und offen dafür waren, gemeinsam in den Austausch zu biografischen Hürden und Chancen zu gehen. 

Für weitere Seminare zu diskutieren ist, inwiefern die Studierenden ihr individuelles Video drehen und sich gegenseitig Peer-Feedback geben oder inwiefern auch Gruppenarbeiten interessant sind. Einige Studierende meldeten zurück, dass sie auch Lust auf eine Videoproduktion in der Gruppe gehabt hätten. Aufgrund von Covid-19 war dies in dem hier durchgeführten Seminar nicht möglich. Während viele das Peer-Feedback sehr hilfreich fanden, haben sich einzelne Studierende weniger Peer-Feedback und mehr fokussiertes Lehrenden-Feedback gewünscht.

Autor*in

  • Ines Gottschalk, M.A., Doktorandin am Lehrstuhl für Sozialtheorie und Sozialpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum Forschungs- und Lehrschwerpunkte: Kulturpsychologie, Qualitative Forschung, Biografieforschung, Flucht- und Migrationsforschung, Figurationssoziologie, Engagementforschung, Öffentliche Soziologie, Forschendes Lernen, Digitalisierung und Schreiben. Kontakt: ines.gottschalk_at_rub.de