Praxisbeispiel: PhiloKompakt

Kurzbeschreibung

PhiloKompakt beschreitet neue Wege in der philosophischen Lehre: Fortgeschrittene Studierende der Bochumer Philosophie planen – beraten durch Mentoren aus dem Kreis der Lehrenden des Instituts – mehrtägige Kompaktveranstaltungen zu aktuellen und interdisziplinären Themen der philosophischen Forschung. Die Veranstaltungen werden unter der Mitwirkung von auswärtigen, in den betreffenden Forschungsschwerpunkten ausgewiesenen PhilosophInnen durchgeführt. Neben der wesentlichen Bestimmung der Themen und der beteiligten Gäste nehmen die Studierenden in PhiloKompakt auch die Möglichkeit wahr, gemeinsam mit den Lehrenden neue Formen der Vermittlung (z. B. Streitgespräch, Interview, Poster-Präsentation) an aktuellen und forschungsrelevanten Themen der Philosophie zu erproben.

Motivation

Das forschende Gespräch, der kritische Dialog, die argumentative Auseinandersetzung gehören seit ihren Anfängen wesentlich zur Philosophie. Im Austausch des Lehrers mit seinen Schülern (Sokrates), in der Gemeinschaft der Akademie (Platon) und auch in der Einheit von Forschung und Lehre (Humboldt) wird philosophische Forschung lebendig – wird nicht ‚tote‘ Philosophie gelernt, sondern das Philosophieren selbst (Kant). PhiloKompakt erfüllt diese Idee mit neuem Leben: In Verbindung mit Hochschullehrern des Instituts soll das ‚Pilotprojekt’ die enge Verbindung von Forschung und Lehre im Fach Philosophie stärken und sie in neuen Formen der Lehre beleben und intensivieren. Die Studierenden nehmen in PhiloKompakt die Möglichkeit wahr, an aktuellen Themen der Philosophie den forschenden philosophischen Dialog und die kontroverse Diskussion, teilzunehmen. Diese leitende Motivation zielt ab auf eine extensivere und intensivere Ausschöpfung jenes Potenzials, das Philosophie als ‚dialogischem Prozess’ seit je her inne wohnt: Tendenziell führen die Bedingungen des BA/MA-Studiums – curriculare Vorgaben, Kreditierungszwänge und Seminargrößen – zu einer Vernachlässigung des Dialog-Gedankens. PhiloKompakt steuert hier gegen und bietet gerade fortgeschrittenen Studierenden im BAStudium die Möglichkeit, das philosophische Gespräch aktiv und kreativ zu gestalten: Die Inhalte der Veranstaltungen werden von ihnen gemeinsam mit Lehrenden des Instituts bestimmt, die jeweils geeigneten Formen der philosophischen Auseinandersetzung werden gemeinsam festgelegt. Nicht nur in der durchgehenden Befolgung dieses Prinzips bei der Planung, sondern auch die maßgebliche Mitgestaltung bei der Durchführung der Veranstaltungen stellen innovative Elemente von PhiloKompakt dar, von denen die künftige, ‚reguläre’ philosophische Lehre profitieren wird. Diese Motivation bestimmt den offenen und kooperativen Ansatz von PhiloKompakt: Geplant sind philosophische Workshops zu unterschiedlichen aktuellen und interdisziplinär orientierten Themen der theoretischen und praktischen Philosophie. Diese finden außerhalb der Vorlesungszeit statt, damit Interessierten ohne Einschränkungen durch den engen ‚Semesterplan’ die Teilnahme ermöglicht wird.

Struktur

Bei der Planung und der Durchführung jedes Workshops wirkt ein Mentor (Lehrender) aus dem Institut für Philosophie beratend mit: Inhaltliche Planung, Auswahl von Gästen und Vorbereitung der Veranstaltungen liegen wesentlich in der Hand der Studierenden. Strukturelle ‚Eckpunkte’ von PhiloKompakt sind weiterhin:
Vorbereitung:
Jeder Workshop benötigt einen inhaltlichen und organisatorischen Vorlauf, zu dem jeweils eine Planungsgruppe unter Beteiligung fortgeschrittener Studierender und eines Mentors Planungsaufgaben übernimmt (Konkretisierung und Aufteilung der Themen; Festlegung der auswärtigen Teilnehmer, Ablauf des Workshops etc.);
Wechselnde Veranstaltungsformen:
Kurzreferate (‚Postersessions‘), Seminargespräche, ‚Interviews‘ mit den externen Gästen, ‚Poster-Sessions’, Streitgespräche zu ausgewählten Schwerpunktthemen etc. wechseln sich ab und werden von Fall zu Fall geeignet kombiniert;
Moderation:
Sie wird durch die Studierenden selber erfolgen; der zugeordnete Mentor ist ‚nur‘ beratender Workshop-Teilnehmer;
Offenheit:
Die Workshops richten sich zwar vornehmlich an fortgeschrittene Studierende des Instituts, können aber (nach Anmeldung) auch von interessierten Studierenden anderer Disziplinen und Universitäten besucht werden;
Kreditierung:
Studierenden der RUB und der ‚Ruhr-Allianz‘ wird die erfolgreiche Teilnahme kreditiert. BA-Studierende, die an der inhaltlichen Planung und Durchführung der Workshops aktiv beteiligt sind, bekommen auch diese (zusätzliche) Arbeiten angerechnet.

Zielsetzungen

PhiloKompakt dient nicht der Erreichung eines einzelnen Ziels, sondern verfolgt mehrere Zielsetzungen, die auf verschiedenen Ebenen angesiedelt sind und sich komplementär zueinander verhalten – Letzteres nach Auffassung der Antragsgruppe in einer geradezu idealen Weise. Es handelt sich im Einzelnen um Zielsetzungen in Bezug auf die Studierenden der Philosophie: Das wichtigste Ziel ist es, aktuelle philosophische Forschung mit stark interdisziplinären Bezügen in einem intensiven und lebendigen philosophischen Dialog zu vermitteln. Eng verbunden damit sind folgende Ziele:
Lehrintensivierung:
Das Lehrangebot der BA-Phase wird durch die Workshops in innovativer Weise ausgebaut und inhaltlich um attraktive und aktuelle Angebote bereichert;
Anregungsfunktion:
Idealerweise lenkt die Teilnahme auch auf Themen für Abschlussarbeiten, ggf. auch für spätere Dissertationsprojekte;
Forschungskontakte:
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops gewinnen neue Kontakte, die für die akademische Entwicklung und den weiteren Berufsweg hilfreich sind;
Öffnung:
Zwischen den universitären Lehrformen und forschungsbezogener Kommunikation (Fachtagungen, Forschungskolloquien etc.) klafft gewöhnlich eine Lücke. Workshops mit auswärtiger Beteiligung dienen dazu, diese Lücke zu schließen und auf einem mittleren, ‚studierendenadäquaten’ Niveau Lehre in einer Form anzubieten, die Elemente forschungsbezogener Veranstaltungen integriert.
Organisationskompetenz:
Die Einbindung in Planung und Durchführung der Workshops vermittelt Inhalte, aber auch Organisationstechniken und -fähigkeiten, die im ‚konventionellen’ Philosophiestudium kein eigenes Ziel sein können, aber für die berufliche Zukunft wichtig sind.

Inhalte

Die Festlegung der jeweiligen Themen wird ganz wesentlich von den Interessen der Studierenden bestimmt, hat aber auch darauf Rücksicht zu nehmen, dass eine hinreichende fachwissenschaftliche Unterstützung durch das Institut gewährleistet sein sollte. Die Workshops bilden somit auch einen Teil des Forschungsspektrums des Instituts für Philosophie ab. Auswahlkriterien sind:
Forschungsorientierung:
Die Veranstaltungen sollen einen Einblick in die philosophische Forschung geben und hinreichend über diese Forschung orientieren. Insbesondere sollen Forschungsprofile erstellt werden, in denen die Forschungslandschaft ‚topographisch‘ dargestellt wird: Wer forscht? Wo wird geforscht? Wie wird geforscht? Was sind die Ziele, was die eingesetzten Methoden?
Aktualität:
Die Themen sollen in der aktuellen philosophischen Forschung präsent sein, d. h. es werden sowohl bei systematischen Themen als auch bei historischen Themen – die bei einer Verstetigung von PhiloKompakt selbstverständlich auch zum Tragen kommen werden – starke Anknüpfungsmöglichkeiten an die gegenwärtige philosophische Diskussion gegeben sein.
Vernetzung:
Die Themen und die auswärtigen Philosophen, die diese vertreten, sollen so ausgewählt werden, dass die Studierenden ein repräsentatives Bild netzwerkorientierte Forschens bekommen;
Interdisziplinarität:
Die Potentiale der Philosophie zur Beförderung interdisziplinärer Dialoge sollen exemplarisch sichtbar gemacht werden, d. h. die enge Verbindung von Philosophie und Einzelwissenschaften soll sich in der Themenauswahl widerspiegeln. Diese Offenheit der Philosophie darf allerdings nicht erkauft werden durch einen Verlust an
Fachidentität:
Auch und gerade bei interdisziplinären ‚Querschnittsproblemen‘ soll stets die Frage nach den spezifisch philosophischen Problemlösungspotentialen präsent sein. Die Philosophie ist keine ‚Hilfsdisziplin’ anderer Wissenschaften.

Durchführungsbeispiele für Workshops:

W 1:
Risiko und Verantwortung: Ethik der Finanzmärkte in der aktuellen Diskussion
W 2:
Grundlagenwissenschaften versus Verwertungswissenschaften? Wissenschaftssystem und Universität unter ‚Anwendungsdruck’
W 3:
Die Krise des Sozialstaats als ethisches Problem
W 4:
Gene, Organismen, Spezies. Biologische Konzepte in der Wissenschaftstheorie.