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Systematische Annäherung

Zur Einordnung und zur Verständigung über Interdisziplinarität sind neben dem begrifflichen Zugang auch systematische Zugriffe hilfreich. Der Gegenstand, das Thema ist dabei für interdisziplinäres Forschen, Arbeiten und Studieren von besonderer Bedeutung. Michael Jungert nimmt diesen und andere Aspekte auf, die für Interdisziplinarität zentral sind (vgl. Jungert 2013 (2), S. 7-9: Lerch 2017):

Interdisziplinarität: Orientierung an „Inter“-Relationen
  • Gegenstände: Diese werden zumeist ohnehin von verschiedenen Disziplinen aus betrachtet und erschlossen (vgl. Defila/di Gulio 1998, S. 116f.). Das kann etwa an einzelnen Begriffen wie Widerstand sichtbar werden, die in verschiedenen Disziplinen ja durchaus Unterschiedliches meinen können.
  • Methoden: Sie sind häufig in verschiedenen Disziplinen wirksam, was sich bereits durch qualitative Forschungen von Medizin bis Soziologie zeigt.
  • Problemstellung: Dieser Aspekt ist wichtig und wird in interdisziplinär zusammengesetzten Studiengängen berücksichtigt, denn die anvisierten Zusammensetzungen von Studienfächern sind wesentlich durch die Problemstellungen (u. a. Gerechtigkeit) ausgezeichnet. Es ist entscheidend, dass vom Gegenstand aus gedacht wird, dabei aber Einzelperspektiven zuzulassen, sie aufzunehmen und sie ggf. zu verbinden.
  • Theoretisches Integrationsniveau: Modelle und Theorien verschiedener Disziplinen passen nicht immer zusammen. Zudem hat jede Disziplin ihre eigene Sprache, was zum Nicht-Verstehen aus der Sicht einer anderen Disziplin führen kann. Daher lohnt es sich, schon in der Ausbildung großen Wert auf Kommunikation und Austausch zwischen Studierenden unterschiedlicher Fächer zu legen und damit anzustreben, Grenzen der Fachsprachen verschwimmen zu lassen, zumindest aber einen Austausch zu ermöglichen.
  • Personen/Institutionen: Dabei geht um einen Austausch zwischen verschiedenen Ebenen und Personen. Eine Herausforderung besteht in einer relativ hohen Durchlässigkeit der Strukturen sowie der Fähigkeit der Akteurinnen und Akteuren in den unterschiedlichen Feldern zu handeln.

Diese Aspekte bedingen den jeweiligen Grad an Interdisziplinarität in Forschung und Praxis, bei Studierenden und bei Lehrenden.

Tipps für Lehren und Lernen

  • Es ist wichtig, einen gemeinsamen Begriff von Interdisziplinarität zugrunde zu legen.
  • Es ist für ein gelingendes Lehren und Lernen immer wieder notwendig, auf einer Meta-Ebene über Interdisziplinarität nachzudenken.
  • Hierzu ist es erforderlich, dass Lehrende und Studierende gemeinsam reflektieren und beide das als Chance zur Weiterentwicklung des eigenen Denkens und Handelns begreifen.