Anregungen für die Lehre

Auf die Mehrsprachigkeit einer Gruppe einzugehen, braucht nicht zu bedeuten, eine Veranstaltung mehrsprachig zu gestalten, die Lehrsprache zu verändern oder von der Forderung abzurücken, dass Prüfungsleistungen in einer bestimmten Sprache erbracht werden müssen. Aber es bedeutet in jedem Fall zu akzeptieren, dass mehrsprachig lebende Menschen sich permanent in unterschiedlichen Sprachen bewegen, sie wechseln und mischen und gerade so ihr volles kognitives Potential entfalten.

Wichtig ist bei allen Maßnahmen, dass Sie sie unabhängig davon einsetzen, ob Sie glauben, dass in Ihrer Gruppe Menschen sind, die eine andere Erstsprache als die Lehrsprache haben. Es geht nicht darum, für eine bestimmte Gruppe „Nachhilfe“ zu leisten und sie damit zu stigmatisieren, sondern die Lehre zum Vorteil aller für mehr Sprachen zu öffnen. Wenn Sie Studierende aufgrund der Hypothesen, die Sie sich wegen ihres Aussehens oder Namens bilden, auf eine Sprache festlegen, schreiben Sie ihnen eine andere Identität zu als dem Rest der Gruppe. Zudem mögen Einzelne ihre eigenen Gründe haben, eine Sprache, die sie gut können, im Universitätskontext erst einmal nicht zu verwenden, z. B wenn sie erlebt haben, dass diese Sprache nur ein geringes Sozialprestige besitzt oder im Bildungskontext nicht erwünscht ist. Überlassen Sie es den Studierenden selbst zu entscheiden, welche Sprachen sie individuell und für die gesamte Gruppe verwenden wollen. Indem Sie immer wieder freistellen, welche Sprachen verwendet werden, tragen Sie zu einer offenen Atmosphäre bei, in der es selbstverständlich werden kann, alle Sprachen im Raum produktiv zu nutzen.

In der folgenden Liste finden Sie Anregungen für Ihre Lehre, die mit niedrigschwelligen, unaufwendigen Interventionen beginnen und mit Thematisierungen von Mehrsprachigkeit enden.

Autor*in

  • Dr. Ulrike Lange, Mitarbeiterin im Schreibzentrum des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik der Ruhr-Universität Bochum /// Kontakt: ulrike.lange_at_rub.de

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