Fragen auf Lernziel-Stufen

Die Lernzieltaxonomie nach Anderson und Krathwohl ist auch für die Erstellung guter Fragen hilfreich – für die Lehre, vor allem aber für Prüfungen. Mehr zu Lernzielen finden Sie hier.  Die Taxonomie ist eine gute Gliederungshilfe, um einfache und anspruchsvolle Fragen voneinander zu unterscheiden. Die Fragen auf der Ebene von Wissen und Verstehen werden den einfachen Fragen zugeordnet, wohingegen die Fragen zur Anwendung, Analyse, Synthese und Beurteilung als anspruchsvoll gelten. Dies schließt jedoch nicht aus, dass in manchen Fällen „das Verstehen eines komplizierten Sachverhalts kognitiv anspruchsvoller ist als die Bewertung einer fachlichen Problemstellung“ (Dubs 1995, S. 97).

Natürlich müssen Sie nicht jede Frage, die Sie während einer Lehrveranstaltungssitzung stellen, genauestens nach ihrem Lernziel reflektieren. Wichtig ist, dass Sie als Lehrende/r eine gute Mischung aus einfachen und anspruchsvollen Fragen in Ihrem Repertoire haben. In der Interaktion mit Studierenden können Sie selbstverständlich auch spontan Fragen stellen.

Bei der Erstellung von Prüfungsfragen ist die Reflektion der Fragen hinsichtlich ihrer Taxonomie-Stufe jedoch unerlässlich, um eine kompetenzorientierte Prüfung zu konzipieren, die dem Konzept des Constructive Alignments folgt.

Wenn Sie bei den Studierenden Wissen prüfen möchten (Lernziel-Stufe 1), dann benötigen Sie Fragen zu Fakten, Daten, Namen, Ereignissen, Regeln, Gesetzmäßigkeiten, Symbolen, etc. Beispielhafte Verben für die Formulierung von Fragen lauten: aufzählen, benennen, beschreiben, reproduzieren, wiederholen.

Bei Lernziel-Stufe 2, dem Verstehen, müssen Sie als Lehrende/r Fragen stellen, anhand derer die Studierenden Sachverhalte in eigenen Worten erklären oder zusammenfassen, für die sie Beispiele anführen oder das erlernte Wissen umsetzen, indem sie z.B. Symbole, Skizzen oder Statistiken notieren. Hilfreiche Verben für die Formulierung passender Fragen sind unter anderem: erklären, demonstrieren, skizzieren, veranschaulichen.

Studierende können Erlerntes auch anwenden, was der Lernziel-Stufe 3 entspricht. Auf dieser Stufe sind Fragen selten vertreten, da es sich um andere Formulierungen von Arbeitsaufträgen handelt. Beispielhafte Verben lauten: aufzeigen, anwenden, definieren, klassifizieren, untersuchen, vervollständigen.

Bei der Analyse, d.h. Lernziel-Stufe 4, sind Fragen wieder relevant. Hier benötigen Sie als Lehrende/r Fragen, um Sachverhalte gliedern zu lassen, Kriterien zu ermitteln, Fakten von Meinungen zu unterscheiden, Fehler festzustellen, Folgerungen anzuleiten, Widersprüche aufzudecken, etc. Passende Verben für die Formulierung der Fragen sind z.B.: kontrastieren, untersuchen, unterscheiden, vergleichen.

Lernziel-Stufe 5, die Synthese, erfordert Fragen, die Studierende dazu auffordern, divergente Lösungswege oder Ideen vorzuschlagen, Pläne zu entwerfen, Hypothesen aufzustellen, Verallgemeinerungen zu formulieren, etc. Hier können Sie als Lehrende/r z.B. mit Verben wie begründen, bewerten, beurteilen, kritisieren, einschätzen, auswerten arbeiten, um Fragen zu erstellen.

Auf der höchsten Lernziel-Stufe schließlich geht es um die Bewertung. Wenn Sie eine dazu passende Frage formulieren möchten, muss diese geeignet sein, um einen Sachverhalt zu beurteilen, Alternativen abzuwägen und/oder Entschlüsse zu fassen, etc. Hilfreiche Verben für die Erstellung passender Fragen lauten u.a.: entwerfen, gestalten, planen, generieren, ausdenken.