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Beispiele für kompetenzorientierte MC-Fragen

MC-Fragen lassen sich einsetzen zur Wissensabfrage, die den Lernzielstufen eins und zwei (erinnern und verstehen im Modell von Anderson & Krathwohl) entspricht. Gleichzeitig können MC-Items so konzipiert werden, dass sie komplexere Lernzielstufen adressieren, und somit kompetenzorientiert sind.
Eine gute Hilfestellung zur Formulierung von MC-Fragen (unabhängig vom Anspruchsniveau) sind beispielhafte Verben nach Kompetenzstufen. Wenn Sie sich vergewissert haben, auf welcher Stufe sich ein Lernziel für Ihre Lehrveranstaltung bewegt, können Sie die Prüfungsaufgaben darauf abstimmen. Welchen Fragetypen (z.B. A, Aneg, B, …) Sie verwenden, leitet sich aus Ihrer konkreten Frage ab (vgl. Krebs 2004).

Lernzielstufen drei und vier

Als kompetenzorientiert umsetzbar gelten Prüfungsaufgaben bis einschließlich Lernzielstufe vier (analysieren). Im Folgenden finden Sie Gestaltungstipps und Beispiele aus unterschiedlichen Disziplinen.
Beachten Sie bei der Erstellung von MC-Prüfungen, dass kompetenzorientierte Fragen mehr Zeit zur Beantwortung erfordern als klassische Wissensabfragen. Grundsätzlich gilt: Nutzen Sie lieber wenige und dafür komplexe Prüfungsaufgaben als viele einfache Aufgaben. Eine allgemeingültige Zeitempfehlung für geschlossene Fragen gibt es nicht. In der medizinischen Lehre empfiehlt das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) 90 Sekunden Bearbeitungszeit pro Frage. Eine Kombination von einer geschlossenen Frage mit einer offenen Frage (s. Tipp 7) lässt sich in dieser Zeit nicht beantworten.

Tipp 1: Fälle / Szenarien beschreiben

„Setzen Sie nach Möglichkeit ihre Fragen in einen realitätsnahen, fach- bzw. berufstypischen Handlungsbezug (Szenario-Fragen). Szenarien können z.B. zu analysierende Untersuchungsergebnisse präsentieren, eine komplexe Situation darstellen (Fallstudie) oder ein wissenschaftliches Problem beschreiben.“ (Bücking 2014, 14) Im ersten aufklappbaren Bereich zeigen wir Ihnen ein fiktives Beispiel aus der Hochschuldidaktik in der Variante „klassische Wissensabfrage“ und in der Variante „Szenario“.

Übliche Fragestellung

Szenariotyp

Wodurch zeichnet sich Problemorientiertes Lernen aus? (3 von 5 Optionen sind richtig)

  1. a) durch Generierung von neuen Problemstellungen
  2. b) durch Orientierung an komplexen Problemstellungen
  3. c) durch selbstgesteuertes Lernen in Kleingruppen
  4. d) durch selbstgesteuertes Lernen in Einzelarbeit
  5. e) durch Betreuung durch Lernbegleiter*innen

Die Studierenden Lena, Suse, Maik und Tom treffen sich zu ihrer Gruppenarbeit für das Seminar XY. Von ihrer Dozentin haben sie eine Fallbeschreibung mit Fragestellung bekommen. Ihre Aufgabe ist es, auf Basis des Materials, der Fachliteratur und eigener Recherchen zu relevanten Aspekten Empfehlungen für die Akteur*innen zu formulieren. Ihre Dozentin berät das studentische Team bei Rückfragen und gibt ihnen auf Anfrage Feedback zu ihrem Arbeitsprozess, sie tritt nicht als Vermittlerin von Wissen auf.
Um welches Lehr-Lern-Setting handelt es sich?

  1. a) problemorientiertes Lernen
  2. b) kollaboratives Lernen
  3. c) projektorientiertes Lernen
  4. d) interdisziplinäres Lernen

Lernzielstufe: 1 (erinnern)
Richtige Antworten b), c) und e) sind schnell per Suchmaschine zu finden.

Lernzielstufe: 3 bis 4 (anwenden bis analysieren)
Richtige Antwort a) kann erkannt werden, wenn die Prüflinge die Definitionen der einzelnen Methoden kennen und anwenden können sowie das Szenario auf die enthaltenen Merkmale hin analysieren können.

 

Anhand der Stadt Bochum hat Burger (2021) ein Beispiel parat. Als Kriterien für gute fallbezogene / szenarienbasierte Fragen gelten für ihn (mehr Details im verlinkten Beitrag mit Video-Mitschnitten):

  • Hohe Authentizität
  • Konkrete Situation
  • Hohes Identifikationspotential
  • Kontextabhängigkeit

Übliche Fragestellung

Szenariotyp

Welche Aussage zu Bochum ist richtig?

A) Hat ca. 400.000 Einwohner.

B) Liegt an der Emscher.

C) Bildet mit Düsseldorf und Münster eine Universitätsallianz.

D) Ist größte Stadt im Kohlenrevier

E) Ist  mit dem Flugzeug direkt erreichbar.

 

Gesucht wird eine Stadt mit etwa 400.000 Einwohnern und einem Universitätsklinikum. Hier wurde erfolgreich eine Gentherapie bei einem Jungen mit Epidermolysis bullosa vor kurzem durchgeführt. Am ehesten handelt es sich um

A) Heidelberg

B) München

C) Bochum

D) Hamburg

E) Berlin

 

Das folgende englischsprachige Beispiel stammt aus der Medizin, und bildet die spätere berufliche Praxis ab, was ein Vorteil gegenüber der Wissensabfrage ist.

Übliche Fragestellung

Szenariotyp

Acute intermittent porphyria is the result of a defect in the biosynthetic pathway for

A. collagen

B. corticosteroid

C. fatty acid

D. glucose

E. heme

F. thyroxine

 

 

 

 

 

 

 

 

fett = richtige Antwort

An otherwise healthy 33?year?old man has mild weakness and occasional episodes of steady, severe abdominal pain with some cramping but no diarrhea. One aunt and a cousin have had similar episodes. During an episode, his abdomen is distended, and bowel sounds are decreased. Neurologic examination shows mild weakness in the upper arms.

These findings suggest a defect in the biosynthetic pathway for

A. collagen

B. corticosteroid

C. fatty acid

D. glucose

E. heme

F. thyroxine

Quelle: Bücking 2014, 15

 

Zwei andere (englischsprachige) Beispiele für eine Szenario-Frage kommen von Zimmaro (2016, 33 ff.) und stammen aus der Statistik-Lehre und der Biologie.

Statistics
Two researchers were studying the relationship between amount of sleep each night and calories burned on an exercise bike for 42 men and women. They were interested if people who slept more had more energy to use during their exercise session. They obtained a correlation of .28, which has a two-tailed probability of .08. Alpha was .10.

1.Which is an example of a properly written research question?
a)Is there a relationship between amount of sleep and energy expanded?*
b)Does amount of sleep correlate with energy used?
c)What is the cause of energy expanded?
d)What is the value of rho?

2.What is the correct term for the variable amount of sleep?
a)Dependent*
b)Independent
c)Predictor
d)y

3.What is the correct statistical null hypothesis?
a)There is no correlation between sleep and energy expanded
b)Rho equals zero*
c)R equals zero
d)Rho equals r

4.What conclusions should you draw regarding the null hypothesis?
a)Reject*
b)Accept
c)Cannot determine without more information

5.What conclusions should you draw regarding this study?
a)The correlation was significant
b)The correlation was not significant
c)A small relationship exists*
d)No relationship exists

Biology
One day you meet a student watching a wasp drag a paralyzed grasshopper down a small hole in the ground. When asked what he is doing he replies, “I’m watching that wasp store paralyzed grasshoppers in her nest to feed her offspring.”

  1. Which of the following is the best description of his reply?
    a)He is not a careful observer.
    b)He is stating a conclusion only partly derived from his observation.*
    c)He is stating a conclusion entirely drawn from his observation.
    d)He is making no assumptions.
  2. Which of the following additional observations would add the most strength to the student’s reply in Question 1?
    a)Observing the wasp digging a similar hole.
    b)Observing the wasp dragging more grasshoppers into the hole.
    c)Digging into the hole and observing wasp eggs on the paralyzed grasshopper*
    d)Observing adult wasps emerging from the hole a month later.
  3. Both of you wait until the wasp leaves the area, then you dig into the hole and observe three paralyzed grasshoppers, each with a white egg on its side. The student states that this evidence supports his reply in Question 1. Which of the following assumptions is he making?
    a)The eggs are grasshopper eggs.
    b)The wasp laid the eggs.*
    c)The wasp dug the hole.
    d)The wasp will return with another grasshopper.
  4. You take the white eggs to the Biology laboratory. Ten days later immature wasps hatched from the eggs. The student states that this evidence supports his reply in Question 1. Which of the following assumptions is he making?
    a) The wasp dug the hole.
    b) The wasp stung the grasshoppers.
    c) The grasshoppers were dead.
    d) A paralyzed grasshopper cannot lay an egg.*

* kennzeichnet bei Zimmaro die korrekte Antwort

 

Mit szenario-basierten Fragen können Sie eine Fragenfamilie aufbauen: „Aufeinander aufbauende Fragen eines Szenarios können z.B. als Sequenz von Key?Feature?Fragen präsentiert werden“ (Bücking 2014, 15). Wenn Fragen aufeinander aufbauen, kann es sinnvoll, sie in Moodle auf einzelnen Seiten ohne „Zurück“-Option einzustellen. Der Fall ist gegeben, wenn die folgenden Fragen aufgrund der Fallbeschreibung Lösungshinweise für die erste(n) Frage(n) bieten. Die entsprechenden Einstellungen müssen Sie in Moodle über die Einrichtung von Fragegruppen und Einzelseiten einstellen. Die Einstellung „kein Zurück“ gilt für den gesamten Moodle-Test und betrifft auch die Funktionalitäten des Browsers. Da Studierende es gewohnt sind, in einer Klausur hin und her blättern zu können und die Fragen in ihrer selbstgewählten Reihenfolge zu beantworten, müssen Sie diese Einstellung vorab deutlich an die Prüflinge kommunizieren. Überlegen Sie, ob Sie die aufeinander aufbauenden Fragen ohne Lösungshinweise konzipieren können, so dass Sie die erläuterten Moodle-Testeinstellungen nicht wählen müssen. Das erste Beispiel zeigt ein Key-Feature-Problem zum Prüfen von prozeduralen Wissen (Quelle: Bücking 2014, 15).

Problemstellung
Michael, ein 3 Wochen alter Säugling, wird von seinem Vater in Ihre pädiatrische Praxis gebracht. Der Vater berichtet, dass das Baby seit 2 Tagen Fieber hat und zunehmend apathisch ist.

Key-Feature-Fragen

  1. Welche Differentialdiagnosen stellen Sie auf? Bitte nennen Sie bis zu vier Diagnosen.
    2. Welche Untersuchungen sind erforderlich? Wählen Sie die vier wichtigsten aus der Liste aus.
  2. Sie sind in ihrer Praxis. Michaels Temperatur ist 39.5°C. Wie gehen Sie weiter vor?

 

 

Tipp 2: Verständnis statt Wissen adressieren

Wenn Sie verhindern möchten, dass die Antwort auf eine MC-Frage schnell im Internet zu finden ist, empfiehlt es sich, weniger nach einem „Was“ oder „Wer“ zu fragen und stattdessen Fragen zu formulieren, die auf ein „Warum“ oder „Wie“ abzielen. Ein Weg ist es, Fragen, mit denen Sie Wissen abprüfen würden, in Verständnisfragen umformulieren.

Schott (2017) zeigt an einem Beispiel zum Thema „extrinsische Motivation“ auf, wie aus einer Wissensfrage eine Verständnisfrage werden kann.

Ursprüngliche Frage
Extrinsische Motivation ist eine …
1) Möglichkeit eigene Motive auf andere zu übertragen.
2) durch äußere Reize hervorgerufene Form der Motivation.
3) innere, aus sich selbst entstehende Motivation.
4) substanzinduzierte Form der Motivation.

Wenn man die Prüfungsfrage als konkretes Beispiel formuliert, müssen die Studierenden das Konzept „extrinsische Motivation“ verstanden haben um sie beantworten zu können.

Seit Gerda von ihrem Vater zur Matura ein Auto versprochen wurde, wenn sie in Englisch ein „Sehr gut“ schafft, lernt Gerda jeden Tag zwei Stunden Englisch. Ihr Vater ist sehr froh, dass seine Tochter so hoch motiviert ist.
Von welcher Art der Motivation ist in diesem Beispiel die Rede?
1) Extrinsische Motivation
2) Intrinsische Motivation
3) Implizite Motivation
4) Emotionale Motivation

 

Im zweiten Beispiel von Schott (2017) lautet das Ziel, dass die Prüflinge grundlegende statistische Berechnungen bei einer konkreten Fragestellung anwenden können.

Bei einer Statistikprüfung haben Studierende folgende Punkte erreicht:

Punkte erreicht

4

6

7

8

9

10

11

13

14

Anzahl Studierende

1

3

5

8

7

5

2

1

1

 Bestimmen Sie die den Modalwert, den Median, das arithmetische Mittel, die Varianz und die Standardabweichung.

Für eine MC-Frage könnte hier jeder Wert einzeln abgefragt werden:
Bestimmen Sie den Modalwert für die erreichten Punkte. Modalwert =
1) 7
2) 8
3) 9
4) 14

 

Auch mit Richtig-Falsch-Fragen können Sie das Verständnis der Studierenden adressieren statt Wissen abzufragen. So können Sie beispielsweise einen skizzierten Lösungsansatz, eine Reihenfolge von Lösungsschritten, die Vollständigkeit eines Vorgehens über Multiple und Single-Choice-Fragen einschätzen lassen. Bücking (2014, 18) zeigt dafür zwei Beispiele auf:

 

 

Tipp 3: Fragenlogik umkehren

Sie können die gängige Fragenlogik umkehren und die Prüfungsfrage so in einen Kontext einbinden. „Lassen Sie z.B. den korrekten Befund auf Grundlage einer Liste von Untersuchungsergebnissen auswählen, nicht die korrekten Symptome zu einem vorgegebenen Befund.“ (Bücking 2014, 14)

Übliche Fragestellung

Gestaltung als Handlungssituation

Wie viele AE (Astronomische Einheiten) ist der Uranus in etwa von der Erde entfernt?

A. 1

B. 2

C. 5

D. 10

E. 20

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fett = richtige Antwort

Die Mitarbeiterin einer Sternwarte versucht, einen Planeten unseres Sonnensystems zu identifizieren und misst bei dem beobachteten Objekt eine Entfernung von etwa 20 AE (Astronomische Einheiten).

Um welchen Planeten handelt es sich?

A. Merkur

B. Venus

C. Mars

D. Jupiter

E. Saturn

F. Uranus

G. Neptun

H. Pluto

I. Haumea

J. Makemake

K. Eris

Quelle: Bücking 2014, 16

Im Folgenden finden Sie ein fiktives Beispiel, das sich Mitarbeiter*innen des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik zur Umkehrung der Fragenlogik ausgedacht haben.

Übliche Fragestellung

Umgekehrte Fragestellung

Was bedeutet Paraphrasieren?
a) einen Satz/ einen Gedanken einer anderen Person mit eigenen Worten wiedergeben
b) einen Satz/ einen Gedanken einer anderen Person indirekt zitieren
c) einen Satz/ einen Gedanken einer anderen Person wort- und zeichengetreu übernehmen
d) einen Satz/ einen Gedanken einer anderen Person übernehmen und kommentieren
e) einen Satz/ einen Gedanken einer anderen Person in Stichpunkten wiedergeben

„Studentische Referate haben enormes didaktisches Potential, weil sie Studierenden die Chance bieten, sich auf unterschiedlichen Ebenen zu professionalisieren.“
Welche Variante(n) ist/ sind die Paraphrase?

a) Grzella und Kähler schreiben dazu, dass studentische Referate ein enormes didaktisches Potenzial haben, weil sie Studierenden die Chance bieten, sich auf unterschiedlichen Ebenen zu professionalisieren.
b) Laut Grzella und Kähler sind studentische Referate für das Lernen sinnvoll, da die Referent*innen sich in verschiedenen Bereichen entwickeln.
c) Die Autor*innen kommen zu der Erkenntnis: „Studentische Referate haben enormes didaktisches Potential, weil sie Studierenden die Chance bieten, sich auf unterschiedlichen Ebenen zu professionalisieren.“
d) Wenn Studierende Referate halten, bereitet sie das auf ihren Beruf vor, so Grzella und Kähler.
e) Studentische Referate böten ein großes Lernpotenzial, da sich Studierende dadurch in verschiedenen Bereichen entwickeln könnten.

Anschließend an die neu gestaltete geschlossene Frage ließe sich ein zusätzlicher Schrittergänzen, nämlich die Erweiterung um offene Fragen, z.B. „Begründen Sie Ihre Auswahl.“ Mehr dazu lesen Sie im letzten Tipp.

 

Tipp 4: Analoge Beispiele verwenden

Wenn Sie vermeiden möchten, dass Studierende ein Beispiel auswendig lernen, empfiehlt es sich in der Lehre den Fokus auf Verständnis und Transfer zu legen. Das können Sie in der Prüfung mit angepassten Aufgaben/ Fragen adressieren, indem Sie nach analogen Beispielen suchen „anstatt auf bereits bekannte Fragen und Abbildungen aus Skripten, Foliensätzen und Tutorien zurückzugreifen“ (Bücking 2014, 14). Möglicherweise stellt sich dies als schwierig dar, weil Sie z.B. aufwendige Illustrationen nutzen möchten. Dann empfiehlt es sich, diese modifiziert abzubilden „z.B. 90°?Drehung“ (ebd), oder Sie beschreiben ein graphisches Beispiel in einer Textaufgabe (oder umgekehrt illustrieren Sie ein zuvor textlich dargestelltes Beispiel).

Quelle: Bücking 2014, 19

 

Tipp 5: Texte analysieren lassen

Sogenannte „passagebased-questions“ können Sie insbesondere in Fächern anwenden, in denen Textarbeit verbreitet ist. Die Studierenden bekommen Ausschnitte aus einem Fachtext, der ihnen noch nicht bekannt ist, und sollen diesen analysieren. „Fragen dazu könnten lauten: „Welche Methode wird hier beschrieben?“, „Ist die getroffene Aussage unter den genannten Rahmenbedingungen korrekt?“ oder „Ist die gewählte Forschungsmethode für die Verifizierung bzw. Falsifizierung der Ausgangshypothese geeignet?“.“ (Bücking 2014, 19)

Quelle: Bücking 2014, 17

 

Schott (2017) gibt folgendes Beispiel für eine textorientierte Aufgabe:

Ein Text einer Autorin wird vorgegeben und die Studierenden sollen diesen Text auf bestimmte Faktoren hin analysieren:

Welche stillschweigenden Annahmen sind in diesem Text zu erkennen?
A) …
B) …
C) …
D) …
Welche Motive der Autorin sind zu erkennen?
A) …
B) …
C) …
D) …
Welches sind die Hauptargumente für die These „XY“ der Autorin?
A) …
B) …
C) …
D) …
Welche logischen Fehler begeht die Autorin in ihrer Argumentation?
A) …
B) …
C) …
D) …

 

 

Tipp 6: Komplexität analysieren oder recherchieren lassen

Eine andere Möglichkeit der Analyse eignet sich ebenfalls gut für Open book-Klausuren, wie sie in Zeiten von pandemiebedingten Online-Prüfungen via Moodle zu bevorzugen sind. Open book bedeutet, dass Sie Studierenden die Nutzung von Hilfsmitteln während der Prüfung erlauben (die Sie auch bei einer digitalen Klausuraufsicht, wie sie die RUB von Februar bis mindestens Oktober 2021 erlaubt, nicht verhindern können). Machen Sie es sich zunutze, dass die Studierenden an ihren privaten Geräten Zugriff auf das Internet haben, und „lassen Sie komplexe Anlagen (z.B Fachaufsätze) analysieren oder in Tabellenwerken, Datenbanken oder dem Internet recherchieren“ (Bücking 2014, 14). Auch Halbherr et al. empfehlen besonders für Open book-Klausuren die Rercherche in die Prüfungsaufgabe einzubinden: „So kann es im Sinne authentischer, kompetenzorientierter Prüfungen zum Beispiel durchaus Sinn machen, Studierende Fragestellungen zu ihnen noch unbekannten Fachthemen mittels Zugriff auf Forschungsdatenbanken und -Bibliotheken beantworten zu lassen. Schließlich ist das schnelle und zuverlässige Auffinden relevanter Informationen und das kompetente Einarbeiten in neue Fachthemen eine Schlüsselkompetenz in zahlreichen Disziplinen.“ (2016, 258) Diese Art von Aufgabe entspricht der Lernzielstufe vier, dem Analysieren von Sachverhalten. Als MC-Frage umgesetzt können Sie hier mit gezielten „Richtig / Falsch“-Fragen arbeiten. Das folgende Beispiel ist eine abgewandelte Form des obrigen Beispiels.

Ein Text einer Autorin wird vorgegeben und die Studierenden sollen diesen Text auf bestimmte Faktoren hin analysieren:

In diesem Text gibt es stillschweigende Annahmen.
Richtig                Falsch 
Folgende Motive der Autorin sind zu erkennen:
A) …                    Richtig                Falsch 
B) …                    Richtig                Falsch 
C) …                     Richtig                Falsch 
D) …                    Richtig                Falsch 
E) …                     Richtig                Falsch 
Die Hauptargumente für die These „XY“ der Autorin sind:
A) …                    Richtig                Falsch 
B) …                    Richtig                Falsch 
C) …                     Richtig                Falsch 
D) …                    Richtig                Falsch 
E) …                     Richtig                Falsch 
Die Autorin begeht in ihrer Argumentation logische Fehler:
Richtig                Falsch 

 

Für eine MC-Frage müssten zum Text konkrete Aussagen gemacht werden, die als richtig oder falsch bewertet werden müssen. Eine alternative Möglichkeit ist, Freitextfelder einzurichten, und auf diese Weise eine offene Frage daraus zu machen. Dann können die Antworten in Moodle nicht automatisiert ausgewertet werden.

Ein zweites Beispiel für die Einbindung einer Recherche-Aufgabe in eine Klausur mit geschlossenen Fragen hat das Team des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik konstruiert.

Aufgabe: Suchen Sie alle deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Thema „blended learning“ aus dem Jahr 2018 in der Datenbank FIS Bildung. Kreuzen Sie für jede Option „richtig“ oder „falsch“ an.

1) Es gibt 71 Treffer.                                                                  richtig   falsch
2) Darunter sind sechs Monographien.                                    richtig   falsch
3) Autorin XY ist vier Mal vertreten.                                          richtig   falsch
4) Elf Fachaufsätze wurden von Autor*innen-Trios verfasst.    richtig   falsch

 

Tipp 7: MC-Fragen mit offenen Fragen erweitern

Der Vorteil bei MC-Prüfungen liegt im geringeren Korrekturaufwand, weil Sie in Moodle die Ergebnisse der Klausur sehen und die Studierenden schnell ein klares Feedback, ggf. mit Note, erhalten. In manchen fachlichen Kontexten ist es jedoch schwierig, in einer nicht kontrollierten Prüfungsumgebung wie bei Online-Klausuren, die Studierende zuhause schreiben, Prüfungsfragen zu stellen. Als Beispiel sei hier die Übersetzung von einer Sprache in eine andere genannt. Ein Tipp ist, geschlossene Fragen zu einer Gegenüberstellung von Originaltext und Übersetzung zu stellen, und diese noch durch offene Fragen zur Reflexion zu flankieren. Sie könnten z.B. zu spezifischen Aspekten einer Übersetzung fragen, welche Formulierung warum welche Bedeutung hat oder was ein alternatives Verständnis einer originalen Formulierung sein könnte. Offene Fragen erfordern eine manuelle Bewertung in Moodle, zudem sollten Sie den erwarteten Umfang der Antwort transparent machen (z.B. „Fünf Sätze“) und Sie benötigen wie für jede offene Frage in einer Prüfung vorab festgelegte Beurteilungskriterien.

Im Folgenden finden Sie erneut das fiktive Beispiel aus der Hochschuldidaktik zum problemorientierten Lernen, ergänzt um eine Freitext-Aufgabe.

Die Studierenden Lena, Suse, Maik und Tom treffen sich zu ihrer Gruppenarbeit für das Seminar XY. Von ihrer Dozentin haben sie eine Fallbeschreibung mit Fragestellung bekommen. Ihre Aufgabe ist es, auf Basis des Materials, der Fachliteratur und eigener Recherchen zu relevanten Aspekten Empfehlungen für die Akteur*innen zu formulieren. Ihre Dozentin berät das studentische Team bei Rückfragen und gibt ihnen auf Anfrage Feedback zu ihrem Arbeitsprozess, sie tritt nicht als Vermittlerin von Wissen auf. Um welches Lehr-Lern-Setting handelt es sich?
a) problemorientiertes Lernen
b) kollaboratives Lernen
c) projektorientiertes Lernen
d) interdisziplinäres Lernen

Bitte begründen Sie, anhand welcher Kriterien Sie sich für die gewählte Antwort entschieden haben und was dieses Lehr-Lern-Settings von einem der anderen drei unterscheidet.

Freitext-Feld
(bitte geben Sie hier den Umfang der erwarteten Antwort an)

 

 

Video-Tipps

Im Rahmen eines hochschuldidaktischen Workshops an der RUB am 15. März 2021 stellte Online-Prüfungs-Experte Philipp Dorok vom ePrüfungs-Team der RUB schrittweise vor, wie er aus einem Beispiel aus der Germanistik von einer klassischen Wissensabfrage hin zu einer kompetenzorientierten Multiple Choice-Frage kommt. In diesem Video sehen Sie den Mitschnitt der Präsentation während der Fortbildung.

Eine weitere Empfehlung ist der ca. 27-minütige Vortrag „Online-Prüfungen erfolgreich gestalten“ von Prof. Dr. Heinz-Werner Wollersheim von der Uni Leipzig, den er am 16. Juni 2021 online hielt.

Hinweis zu Medien-Einbindung

Die Einbindung von medialen Inhalten, d.h. Bildern, Videos, Audios, ist bei einer Online-Prüfung via Moodle möglich. Hier ist zu beachten, dass die Barrierefreiheit nicht garantiert werden kann, denn es müssten z.B. maschinenlesbare Bilder, Videos mit Untertiteln oder Transkripte vorliegen. Wenn unter Ihren Prüflingen Studierende mit Beeinträchtigungen sind, die auf diese Barrierefreiheit angewiesen sind, empfehlen wir aktuell von der Einbindung der medialen Inhalte abzusehen. Die Gewährung von Nachteilsausgleichen mit einer individuellen Zeitverlängerung ist über Moodle einstellbar.

Hinweis zu Lernzielstufen fünf und sechs

Einzig die Lernzielstufen fünf und sechs können nicht mit geschlossenen Fragen abgeprüft werden. Wenn Sie von Ihren Studierenden Leistungen der Stufen „beurteilen“ und „erschaffen“ wünschen, eignen sich offene Fragen. Diese können in Moodle über das Plugin „Aufgabe“ eingereicht werden und sind somit online umsetzbar.

Haben Sie eigene Beispiele für kompetenzorientierte MC-Fragen und möchten diese teilen? Senden Sie uns eine E-Mail an lehreladen@rub.de. Wir freuen uns, wenn die Sammlung wächst und noch mehr Lehrende der RUB von kollegialer Expertise lernen.

Literatur

Bücking, Jens (2014): Gestaltung geschlossener Fragen für Übungen und Prüfungen. Workshop der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle der TU Darmstadt (19.05.2014).

Halbherr, Tobias/ Dittmann-Domenichini, Nora/ Piendl, Thomas/ Schlienger, Claudia (2016): Authentische, kompetenzorientierte Online Prüfungen an der ETH Zürich. In: Zeitschrift für Hochschulentwicklung, Jg.11 / Nr.2 (Mai 2016) S. 247-269.

Krebs, René (2004): Anleitung zur Herstellung von MC-Fragen und MC-Prüfungen für die ärztliche Ausbildung. Universität Bern.

Schott, Reinhard (2017): Konstruktion von kompetenzorientierten Prüfungsfragen. Infopool besser lehren. Center for Teaching and Learning, Universität Wien.

Vogt, Michael/ Schneider, Stefan (2009): E-Klausuren an Hochschulen : Didaktik – Technik – Systeme – Recht – Praxis. Uni Gießen.

Zimmaro, Dawn M. (2016): Writing Good Multiple-Choice Exams. The University of Texas at Austin. Last updated December 1, 2016.