Typen und Stufen von Lernzielen

Bei der Vorbereitung einer Lehreinheit ist es von Bedeutung, sich einen Überblick über die Verortung der zu verfolgenden Lernziele zu verschaffen. Jedes Lernziel ist eingebettet in vorangehende und nach­folgende Lernziele. Die vorausgegangenen Lernerfolge sind wesentliches Fundament für die erfolgreiche Aneignung des neuen Wissens und Könnens. Gleichzeitig bereitet dieses Wissen auf die noch folgenden Lernschritte vor. Nicht immer liegen die Lernziele dabei auf der gleichen logischen Stufe. Für das Erreichen der jeweils nächsten Stufe ist es für den Lernerfolg notwendig, dass die Grundlage der unteren Stufen gelegt ist.

Richt-, Grob-, und Feinlernziele

Richtlernziele

Richtlernziele lassen sich am besten als Lernfelder beschreiben. Sie geben lediglich das Gebiet an, aus dem der Lernende sein Wissen beziehen soll. So sind „Kenntnisse aus dem Bereich der Marktbeobachtung“ oder „Kompetenzen aus dem Bereich Teamarbeit“ gute Beispiele für Richtlernziele.

Groblernziele

Im Gegensatz zu den Richtlernzielen geben Groblernziele bereits Fertigkeiten und Kenntnisse an, die vermittelt werden sollen. Groblernziele sollten dementsprechend als Fähigkeiten oder Fertig­keiten formuliert werden, über die der Lernende nach erfolgreichem Lernprozess verfügen soll.

Feinlernziele

Feinlernziele strukturieren sowohl die einzelne Unterrichtseinheit als auch kleinere Abschnitte einer Seminarreihe. Die Feinlernziele werden ähnlich wie die Groblernziele als Kompetenzen und Tätigkeiten formuliert. Jedoch sind es in der Regel Teilziele, die mit einer oder einer überschaubaren Anzahl von Lerneinheiten zu erreichen sind. Sie leiten sich aus den Vorgaben des zu erreichenden Groblernziels ab. Es obliegt dem/der Lehrenden, die Feinlernziele in eine sinnvolle, aufeinander aufbauende Reihenfolge zu bringen, so dass die Groblernziele bestmöglich verfolgt und erreicht werden können.

Die Taxonomie der Lernziele

Um in der Lehre vom Einfachen zum Schwierigen, vom Überschaubaren zum Komplexen voranzuschreiten, ist eine Einordnung kognitiver Lernziele hilfreich. Die Taxonomie kognitiver Lernziele nach Bloom ermöglicht diese Einordnung anhand verschiedener, aufeinander aufbauender Lernstufen. Schematisch kann die kognitive Lernzieltaxonomie wie folgt dargestellt werden:

Abbildung: Schematische Darstellung der kognitiven Lernzieltaxonomie

Wissen

Die erste Ordnungsstufe betrifft das Wissen (bzw. auch das Kennen / das Erinnern) von konkreten Informationen eines Fachgebiets. Dazu gehören ebenfalls das Wissen (Kennen/Erinnern) von Methoden, wie mit diesen Informationen gearbeitet werden kann so­wie das Wissen (Kennen/Erinnern) von gängigen Verallgemeinerungen und Abstraktionen des Fachgebiets.

Typisches Lernziel: Kriterien des wissenschaftlichen Arbeitens kennen, beschreiben und deren wichtigsten Konsequenzen aufzählen.

Verstehen

Die zweite Stufe betrifft das Verstehen von Zusammenhängen. Es geht um das Verständnis der Bedeutung, die die einzelnen Informationen zueinander haben. Dies ermöglicht es, Informationen in eigenen Sätzen wiederzugeben (Transformation), fremde Texte im Hinblick auf einen bestimmten Sachverhalt hin zu interpretieren und Voraussagen zu treffen.

Typisches Lernziel: Die Bedeutung wissenschaftlicher Aussagen und Verfahren erkennen und beschreiben sowie eine Voraussage über deren Anwendbarkeit treffen.

Anwenden

Die dritte Stufe unterscheidet sich von der zweiten darin, dass hier das Wissen auf konkrete Fälle bezogen wird. Es geht darum, in einer konkreten Situation zu erkennen, wie das Verstandene hilfreich zur Lösung dieses konkreten Problems eingesetzt werden kann.

Typisches Lernziel: Die Anwendung wissenschaftlicher Aussagen und Verfahren auf konkrete, praktische Problemstellungen.

Analysieren

In der vierten Stufe geht es darum, Situationen auf deren wesentliche Elemente hin zu unter­suchen. Situationen enthalten Elemente, die Beziehungen zwischen diesen Elementen sowie die ordnenden Prinzipien, die in den Situationen wirksam sind. Für die fachliche Analyse sind die Kenntnisse und Fertigkeiten, die in den unteren Stufen erworben wurden, Voraussetzung.

Typisches Lernziel: Implizite Annahmen in Fachartikeln benennen, Art der Argumentation herausfinden, Fehler in deren Argumentationen aufzeigen und Grundtendenzen der Herangehensweisen einschätzen können.

Synthetisieren

In dieser Stufe geht es um die kreative Neukombination vorhandener Informationen. Es können drei Unterkategorien unterschieden werden:

  1. Herstellen von etwas Einzigartigem, zum Beispiel die Organisation bekannter Daten für einen originellen Aufsatz, eine Rede oder die Komposition eines Musikstücks.
  2. Entwerfen eines Handlungsplans, zum Beispiel das Entwerfen einer Maschine für einen Fertigungsprozess oder das Erstellen einer konkreten Unterrichtseinheit für eine besondere Lehrsituation. Auch die Entwicklung von Wegen, mit denen eine bestimmte Hypothese überprüft werden kann, gehört in diese Kategorie.
  3. Ableiten einer Folge abstrakter Beziehungen, wie zum Beispiel die Modifikation von Hypothesen im Hinblick auf neue Faktoren, die Formulierung einer brauchbaren Lerntheorie für den Unterricht oder die Fähigkeit, mathematische Entdeckungen und Verallgemeinerungen zu machen.

Weitere typische Lernziele: Einen 2-seitigen Artikel über ein wissenschaftliches Projekt selbstständig verfassen. Einen Vortrag für eine bestimmte Zielgruppe vorbereiten. Planen eines effizienten Fertigungsprozesses.

Evaluation

In diese Stufe fließen jeweils die Kompetenzen der darunter liegenden Stufen ein. Ergänzend geht es in der Stufe der Evaluation darum, reflektierte, d.h. begründete Werturteile treffen zu können.

„Obwohl die Evaluation im kognitiven Bereich an letzter Stelle steht, weil sie im gewissen Umfang alle anderen Kategorien des Verhaltens voraussetzt, ist es nicht notwendigerweise der letzte Schritt beim Denken oder beim Problemlösen. Es ist durchaus möglich, dass der bewertende Prozess in einigen Fällen dem Erwerb neuen Wissens vorausgeht oder einem neuen Versuch, etwas zu verstehen oder anzuwenden, oder einer neuen Analyse oder Synthese.“(1)

Dabei spielen auch affektive Elemente der bewertenden Person eine Rolle.

Typische Lernziele: Logische Fehler in einer Begründung nachweisen. Einen Sachverhalt nach kulturellen Normen beurteilen. Eine wissenschaftliche Arbeit bewerten.

Bedeutung für die Lehrveranstaltungsvorbereitung

Eine hierarchische Ordnung der Lernziele ermöglicht eine Reflexion über den Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe bzw. der zu vermittelnden Inhalte. Durch Einbeziehung der Stufen wird die Beschreibung der Kompetenzen möglich, über die ein Studierender für die Bewältigung einer Aufgabe bzw. für das Verständnis der zu vermittelnden Inhalte bereits verfügen muss. Ebenso erleichtert die Bezugnahme zur Taxonomie die Beschreibung der weiteren Kompetenzen und Lernschritte, auf die eine Lehreinheit vorbereitet. Die Berücksichtigung der Lernzieltaxonomie verbessert damit die didaktische Gestaltung der Unterrichtseinheiten. Darüber hinaus kann sie unterstützend für die Operatio­nalisierung von Lernzielen hinzugezogen werden.

Weitere Taxonomien

Neben der Ordnung der Lernziele im kognitiven Bereich haben Bloom et. al die affektive und psychomotorische Taxonomie entworfen. Auch in diesen Lernbereichen werden aufeinanderfolgende Stufen benannt. Während es dabei im psychomotorischen Bereich um das Lernen von Bewegungsabläufen geht, steht im affektiven Bereich der Umgang mit inneren Antrieben und Gefühlen in Bezug zu moralischen Normen der Gesellschaft im Vordergrund. Die affektive Lernzieltaxonomie hat hier insbesondere Relevanz im Hinblick auf Normen des Wissenschaftsbetriebes sowie im Hinblick auf gesellschaftliche moralische Ansprüche an die Wissenschaft.

Abbildung: affektive und psychomotorische Taxonomie

Literatur

  1. Bloom, Benjamin S. (1976): Taxonomie von Lernzielen im kognitiven Bereich. Weinheim und Basel, S. 200.